In den Edinburgher Zeitschriften, vorzüglich in denen welche eigentlich fremder Literatur gewidmet sind, finden sich nun, ausser den schon genannten deutschen Autoren, auch Ernst Schulz, Klingemann, Franz Horn, Zacharias Werner, Graf Platen und manche andere, von verschiedenen Referenten, am meisten aber von unserm Freunde, beurtheilt und eingeführt.
Höchst wichtig ist bey dieser Gelegenheit zu bemerken, dass sie eigentlich ein jedes Werk nur zum Text und Gelegenheit nehmen, um über das eigentliche Feld und Fach, so wie alsdann über das besondere Individuelle, ihre Gedanken zu eröffnen und ihr Gutachten meisterhaft abzuschliessen.
Diese Edinburgh Reviews, sie seyen dem Innern und Allgemeinen, oder den auswärtigen Literaturen besonders gewidmet, haben Freunde der Wissenschaften aufmerksam zu beachten; denn es ist höchst merkwürdig, wie der gründlichste Ernst mit der freysten Uebersicht, ein strenger Patriotismus mit einem einfachen reinen Freysinn, in diesen Vorträgen sich gepaart findet.
Geniessen wir nun von dort, in demjenigen was uns hier so nah angeht, eine reine einfache Theilnahme an unsern ethisch-ästhetischen Bestrebungen, welche für einen besondern Charakterzug der Deutschen gelten können, so haben wir uns gleichfalls nach dem umzusehen, was ihnen dort von dieser Art eigentlich am Herzen liegt. Wir nennen hier gleich den Namen Burns, von welchem ein Schreiben des Herrn Carlyle’s folgende Stelle enthält.
“Das einzige einigermassen Bedeutende, was ich seit meinem Hierseyn schrieb, ist ein Versuch über Burns. Vielleicht habt Ihr niemals von diesem Mann gehört, und doch war er einer der entschiedensten Genies; aber in der tiefsten Classe der Landleute geboren und durch die Verwicklungen sonderbarer Lagen zuletzt jammervoll zu Grunde gerichtet, so dass was er wirkte verhältnissmässig geringfügig ist; er starb in der Mitte der Manns-Jahre (1796).”
“Wir Engländer, besonders wir Schottländer, lieben Burns mehr als irgend einen Dichter seit Jahrhunderten. Oft war ich von der Bemerkung betroffen, er sey wenig Monate vor Schiller, in dem Jahr 1759 geboren und keiner dieser beiden habe jemals des andern Namen vernommen. Sie glänzten als Sterne in entgegengesetzten Hemisphären, oder, wenn man will, eine trübe Erdatmosphäre fing ihr gegenseitiges Licht auf.”
Mehr jedoch als unser Freund vermuthen mochte, war uns Robert Burns bekannt; das allerliebste Gedicht John Barley-Corn war anonym zu uns gekommen, und verdienter Weise geschätzt, veranlasste solches manche Versuche unsrer Sprache es anzueignen. Hans Gerstenkorn, ein wackerer Mann, hat viele Feinde, die ihn unablässig verfolgen und beschädigen, ja zuletzt gar zu vernichten drohen. Aus allen diesen Unbilden geht er aber doch am Ende triumphirend hervor, besonders zu Heil und Fröhlichkeit der leidenschaftlichen Biertrinker. Gerade in diesem heitern genialischen Anthropomorphismus zeigt sich Burns als wahrhaften Dichter.
Auf weitere Nachforschung fanden wir dieses Gedicht in der Ausgabe seiner poetischen Werke von 1822, welcher eine Skizze seines Lebens voransteht, die uns wenigstens von den Aeusserlichkeiten seiner Zustände bis auf einen gewissen Grad belehrte. Was wir von seinen Gedichten uns zueignen konnten, überzeugte uns von seinem ausserordentlichen Talent, und wir bedauerten, dass uns die Schottische Sprache gerade da hinderlich war, wo er des reinsten natürlichsten Ausdrucks sich gewiss bemächtigt hatte. Im Ganzen jedoch haben wir unsre Studien so weit geführt, dass wir die nachstehende rühmliche Darstellung auch als unsrer Ueberzeugung gemäss unterschreiben können.
Inwiefern übrigens unser Burns auch in Deutschland bekannt sey, mehr als das Conversations-Lexicon von ihm überliefert, wüsste ich, als der neuen literarischen Bewegungen in Deutschland unkundig, nicht zu sagen; auf alle Fälle jedoch gedenke ich die Freunde auswärtiger Literatur auf die kürzesten Wege zu weisen: The Life of Robert Burns. By J. G. Lockhart. Edinburgh 1828. rezensirt von unserm Freunde im Edinburgh Review, December 1828.
Nachfolgende Stellen daraus übersetzt, werden den Wunsch, das Ganze und den genannten Mann auf jede Weise zu kennen, hoffentlich lebhaft erregen.