den 22. December 1829.
“Ich habe zu nicht geringer Befriedigung zum zweitenmale den Briefwechsel gelesen und sende heute einen darauf gegründeten Aufsatz über Schiller ab für das Foreign Review. Es wird Ihnen angenehm seyn zu hören, dass die Kentniss und Schätzung der auswärtigen, besonders der deutschen Literatur, sich mit wachsender Schnelle verbreitet so weit die englische Zunge herrscht; so dass bey den Antipoden, selbst in Neuholland, die Weisen Ihres Landes ihre Weisheit predigen. Ich habe kürzlich gehört, dass sogar in Oxford und Cambridge, unsern beiden englischen Universitäten, die bis jetzt als die Haltpuncte der insularischen eigenthümlichen Beharrlichkeit sind betrachtet worden, es sich in solchen Dingen zu regen anfängt. Ihr Niebuhr hat in Cambridge einen geschickten Uebersetzer gefunden und in Oxford haben zwei bis drei Deutsche schon hinlängliche Beschäftigung als Lehrer ihrer Sprache. Das neue Licht mag für gewisse Augen zu stark seyn; jedoch kann Niemand an den guten Folgen zweifeln, die am Ende daraus hervorgehen werden. Lasst Nationen wie Individuen sich nur einander kennen und der gegenseitige Hass wird sich in gegenwärtige Hülfleistung verwandeln, und anstatt natürlicher Feinde, wie benachbarte Länder zuweilen genannt sind, werden wir alle natürliche Freunde seyn.”
Wenn uns nach allen diesem nun die Hoffnung schmeichelt, eine Uebereinstimmung der Nationen, ein allgemeineres Wohlwollen werde sich durch nähere Kentniss der verschiedenen Sprachen und Denkweisen, nach und nach erzeugen; so wage ich von einem bedeutenden Einfluss der deutschen Literatur zu sprechen, welcher sich in einem besondern Falle höchst wirksam erweisen möchte.
Es ist nämlich bekannt genug, dass die Bewohner der drei brittischen Königreiche nicht gerade in dem besten Einverständnisse leben, sondern dass vielmehr ein Nachbar an dem andern genugsam zu tadeln findet, um eine heimliche Abneigung bey sich zu rechtfertigen.
Nun aber bin ich überzeugt, dass wie die deutsche ethisch-ästhetische Literatur durch das dreifache Brittanien sich verbreitet, zugleich auch eine stille Gemeinschaft von Philogermanen sich bilden werde, welche in der Neigung zu einer vierten, so nahverwandten Völkerschaft, auch unter einander, als vereinigt und verschmolzen sich empfinden werden.
Schillers Leben.
Erster Abschnitt.
Seine Jugend (1759-1784.)
Unter allen Schriftstellern ist am Schluss des letzten Jahrhunderts wohl keiner der Aufmerksamkeit würdiger, als Friedrich Schiller. Ausgezeichnet durch glänzenden Geist, erhabenes Gefühl und edlen Geschmack, liess er den schönsten Abdruck dieser selten vereinigten Eigenschaften in seinen Werken zurück. Der ausgebreitete Ruhm, welcher ihm dadurch geworden, ..........
.... es sind neue Formen der Wahrheiten, neue Grundsätze der Weisheit, neue Bilder und Scenen der Schönheit, die er dem leeren formlosen unendlichen Raum abgenommen; zum κτῆμα εἰς ἀεὶ oder zum ewigen Eigenthum aller Geschlechter dieses Erdballs. [s. 301.]