»Mäßigen Sie doch Ihre Stimme, Kesselmeyer! Lachen Sie doch nicht fortwährend so gottverflucht! Meine Lage ist so ernst … ja, ich gestehe, sie ist ernst; aber ich habe soundso viele Geschäfte in der Schwebe … Alles kann sich zum Guten wenden. Hören Sie, passen Sie auf: Prolongieren Sie, und ich unterschreibe Ihnen 20 Prozent …«
»Nichtsda, nichtsda … höchst lächerlich, mein Lieber! Na-hein, ich bin ein Freund des Verkaufs zur rechten Zeit! Sie haben mir 8 Prozent geboten, und ich habe prolongiert. Sie haben mir 12 und 16 Prozent geboten, und ich habe jedesmal prolongiert. Jetzt könnten Sie mir 40 bieten, und ich würde nicht denken an Prolongation, nicht einmal daran denken, mein Lieber!… Seit Gebrüder Westfahl in Bremen auf die Nase fielen, sucht für den Augenblick jeder seine Interessen von der bewußten Firma abzuwickeln und sich sicherzustellen … Wie gesagt, ich bin für rechtzeitigen Verkauf. Ich habe Ihre Unterschriften behalten, solange Johann Buddenbrook zweifellos gut war … mittlerweile konnte ich ja die rückständigen Zinsen zum Kapitale schlagen und Ihnen die Prozente steigern! Aber man behält eine Sache doch nur so lange, als sie steigt oder wenigstens solide feststeht … wenn sie anfängt zu fallen, so verkauft man … will sagen, ich verlange mein Kapital.«
»Kesselmeyer, Sie sind schamlos!«
»A-aha, schamlos finde ich höchst spaßhaft!… Was wollen Sie überhaupt? Sie müssen sich ja sowieso an Ihren Schwiegervater wenden! Die Kreditbank tobt, und im übrigen sind Sie doch auch nicht grade fleckenlos …«
»Nein, Kesselmeyer … ich beschwöre Sie, hören Sie jetzt mal ruhig zu!… Ja, ich bin offen, ich gestehe Ihnen unumwunden, meine Lage ist ernst. Sie und die Kreditbank sind ja nicht die einzigen … Es sind mir Wechsel vorgelegt worden … Alles scheint sich verabredet zu haben …«
»Selbstverständlich. Unter diesen Umständen … Aber da ist es doch ein Aufwaschen …«
»Nein, Kesselmeyer, hören Sie mich an!… Tun Sie mir doch die Liebe, noch eine Zigarre zu nehmen …«
»Ich bin ja mit dieser noch nicht zur Hälfte fertig?! Lassen Sie mich mit Ihren Zigarren in Ruhe! Bezahlen Sie …«
»Kesselmeyer, lassen Sie mich jetzt nicht fallen … Sie sind mein Freund, Sie haben an meinem Tische gesessen …«
»Sie vielleicht nicht an meinem, mein Lieber?«