»Ganz meine Ansicht!« Dann machte der Konsul eine schnelle und überaus galante humoristische Wendung nach Tonys Seite, als befragte er ehrerbietigst auch sie um ihre Meinung. Sie schwieg. Sie blickte streng geradeaus.

»Aber mich dünkt, Tom, er sollte das Fluchen lassen«, fuhr die Konsulin ein wenig bekümmert fort. »Verstand ich ihn recht, so sprach er in einer Weise vom Sakramente und vom Kreuze …«

»Oh, das macht nichts, Mutter, dabei denkt er nichts Böses …«

»Und vielleicht ein wenig zu viel Nonchalance im Benehmen, Tom, wie?«

»Ja, lieber Gott, das ist süddeutsch!« sagte der Konsul, atmete langsam den Rauch in die Stube hinein, lächelte seiner Mutter zu und ließ verstohlen seine Augen auf Tony ruhen. Die Konsulin bemerkte das durchaus nicht.

»Du kommst heute mit Gerda zu Tische, nicht wahr, Tom? Tut mir die Liebe.«

»Gern, Mutter; mit dem größten Vergnügen. Ehrlich gesagt, ich verspreche mir viel Vergnügen von diesem Hausbesuch. Du nicht auch? Das ist doch einmal etwas anderes, als deine Geistlichen …«

»Jeder nach seiner Art, Tom.«

»Einverstanden! Ich gehe … Apropos!« sagte er, den Türgriff in der Hand. »Du hast entschiedenen Eindruck auf ihn gemacht, Tony! Nein, ganz ohne Zweifel! Weißt du, wie er dich eben da unten genannt hat? ›Ein lieber Kerl‹ – das sind seine Worte …«

Hier aber wandte Frau Grünlich sich um und sagte mit lauter Stimme: »Gut, Tom, du erzählst mir dies … er wird es dir wohl nicht verboten haben, aber trotzdem weiß ich nicht, ob es passend ist, daß du es mir hinterbringst. Das aber weiß ich, und das möchte ich denn doch aussprechen, daß es in diesem Leben nicht darauf ankommt, wie etwas ausgesprochen und ausgedrückt wird, sondern wie es im Herzen gemeint und empfunden ist, und wenn du dich über Herrn Permaneders Ausdrucksweise mokierst … wenn du ihn etwa lächerlich findest …«