Die Hände auf dem Rücken betrachtete der Senator die Tafel längere Zeit.

»Ja, ja«, sagte er plötzlich mit ziemlich spöttischem Akzent, »eine ungestörte Nachtruhe ist eine gute Sache …« Dann, ernst, wenn auch ein wenig flüchtig, sagte er an alle Anwesenden gewandt: »Ich dank' euch herzlich, meine Lieben! Das ist ein sehr schönes und sinniges Geschenk!… Was meint ihr – wohin hängen wir es? Ins Privatkontor?«

»Ja, Tom, über deinen Schreibtisch im Privatkontor!« antwortete Frau Permaneder und umarmte ihren Bruder; dann zog sie ihn in den Erker und wies hinaus.

Unter dem tiefblauen Sommerhimmel flatterten die zweifarbigen Flaggen von allen Häusern – die ganze Fischergrube hinunter, von der Breitenstraße bis zum Hafen, woselbst der »Wullenwewer« und die »Friederike Oeverdieck« ihrem Reeder zu Ehren unter vollem Wimpelschmuck lagen.

»So ist die ganze Stadt!« sagte Frau Permaneder, und ihre Stimme bebte … »Ich bin schon spazieren gegangen, Tom. Auch Hagenströms haben geflaggt! Ha, sie können nicht anders … Ich würde ihnen die Fenster einwerfen …«

Er lächelte, und sie zog ihn ins Zimmer zurück an den Tisch.

»Und hier sind Telegramme, Tom … nur die ersten, persönlichen natürlich, von der auswärtigen Familie. Die von den Geschäftsfreunden gehen ans Kontor …«

Sie öffneten ein paar Depeschen: von den Hamburgern, von den Frankfurtern, von Herrn Arnoldsen und seinen Angehörigen in Amsterdam, von Jürgen Kröger in Wismar … Plötzlich errötete Frau Permaneder tief.

»Er ist in seiner Art ein guter Mensch«, sagte sie und schob ihrem Bruder ein Telegramm zu, das sie erbrochen. Es war gezeichnet: »Permaneder«.

»Aber die Zeit vergeht«, sagte der Senator und ließ den Deckel seiner Taschenuhr springen. »Ich möchte Tee trinken. Wollt ihr mir Gesellschaft leisten? Das Haus wird nachher wie ein Taubenschlag …«