»Ja, eben, in ihren Jahren …«, sagte der Senator unruhig und drehte an der langen Spitze seines Schnurrbartes.
»Ich sage natürlich nicht, daß Ihre liebe Frau Mutter wird morgen wieder spazierengehen können«, fuhr Doktor Grabow sanftmütig fort. »Diesen Eindruck wird die Patientin nicht auf Sie gemacht haben, lieber Senator. Es ist ja nicht zu leugnen, daß der Katarrh seit vierundzwanzig Stunden eine ärgerliche Wendung genommen hat. Der Schüttelfrost gestern abend gefiel mir nicht recht, und heute gibt es da nun wahrhaftig ein bißchen Seitenstechen und Kurzluftigkeit. Etwas Fieber ist auch vorhanden – oh, unbedeutend, aber es ist Fieber. Kurz, lieber Senator, man muß sich wohl mit der vertrakten Tatsache abfinden, daß die Lunge ein bißchen affiziert ist …«
»Lungenentzündung also?« fragte der Senator und blickte von einem Arzte zum andern …
»Ja, – Pneumonia«, sagte Doktor Langhals mit ernster und korrekter Verbeugung.
»Allerdings, eine kleine, rechtsseitige Lungenentzündung«, antwortete der Hausarzt, »die wir sehr sorgfältig zu lokalisieren trachten müssen …«
»Danach ist immerhin Grund zu ernster Besorgnis vorhanden?« Der Senator saß ganz still und sah dem Sprechenden unverwandt ins Gesicht.
»Besorgnis? O … wir müssen, wie gesagt, darum besorgt sein, die Erkrankung einzuschränken, den Husten zu mildern, dem Fieber zu Leibe zu gehen … nun, das Chinin wird seine Schuldigkeit tun … Und dann noch eins, lieber Senator … Keine Schreckhaftigkeit den einzelnen Symptomen gegenüber, nicht wahr? Sollte sich die Atemnot ein wenig verstärken, sollte in der Nacht vielleicht etwas Delirium stattfinden, oder morgen ein bißchen Auswurf sich einstellen … wissen Sie, so ein rotbräunlicher Auswurf, wenn auch Blut dabei ist … Das ist alles durchaus logisch, durchaus zur Sache gehörig, durchaus normal. Bereiten Sie, bitte, auch unsere liebe, verehrte Madame Permaneder darauf vor, die ja die Pflege mit soviel Hingebung leitet … A propos, wie geht es ihr? Ich habe ganz und gar zu fragen vergessen, wie es in den letzten Tagen mit ihrem Magen gewesen ist …«
»Wie gewöhnlich. Ich weiß nichts Neues. Die Sorge um ihr Befinden tritt ja jetzt naturgemäß etwas zurück …«
»Versteht sich. Übrigens … mir kommt dabei ein Gedanke. Ihre Frau Schwester hat Ruhe nötig, besonders in der Nacht, und Mamsell Severin allein dürfte doch wohl nicht ausreichen … wie wäre es mit einer Pflegerin, lieber Senator? Wir haben da unsere guten katholischen Grauen Schwestern, für die Sie immer so wohlwollend eintreten … Die Schwester Oberin wird sich freuen, Ihnen dienen zu können.«
»Sie halten das also für nötig?«