»Du wirst dich darum kümmern, mein Freund.«

Christian sah ihn an.

»Nein –!« rief er. »Ich kann es nicht! Wenn ich dir sage, daß ich es nicht kann?!… Ich muß wissen, was ich zu tun habe. Ich bin ein erwachsener Mensch …«

»Ach, das mit dem ›erwachsenen Menschen‹ ist etwas sehr Äußerliches bei dir! Du weißt durchaus nicht, was du zu tun hast …«

»Doch!… Ich handle erstens als Ehrenmann … Du bedenkst ja nicht, wie die Sache liegt, Thomas! Hier sitzen Tony und Gerda … wir können nicht ausführlich darüber reden. Aber ich habe dir doch gesagt, daß ich Verpflichtungen habe! Das letzte Kind, die kleine Gisela …«

»Ich weiß von keiner kleinen Gisela und will von keiner wissen! Ich bin überzeugt, daß man dich belügt. Jedenfalls aber hast du einer Person gegenüber, wie der, die du im Sinne hast, keine andere Verpflichtung als die gesetzliche, die du wie bisher weitererfüllen magst …«

»Person, Thomas? Person? Du täuschst dich über sie! Aline …«

»Schweig!« rief Senator Buddenbrook mit Donnerstimme. Die beiden Brüder starrten einander jetzt über den Tisch hinweg ins Gesicht, Thomas blaß und zitternd vor Zorn, Christian, indem er seine kleinen, runden, tiefliegenden Augen, deren Lider sich plötzlich entzündet hatten, gewaltsam aufriß und auch seinen Mund in Entrüstung geöffnet hielt, so daß seine hageren Wangen ganz ausgehöhlt erschienen. Ein Stückchen unter den Augen zeigten sich ein paar rote Flecken … Gerda blickte mit ziemlich spöttischer Miene von einem zum anderen, und Tony rang die Hände und sagte flehend: »Aber Tom … Aber Christian … Und Mutter liegt nebenan!«

»Du bist so sehr jeden Schamgefühles bar«, fuhr der Senator fort, »daß du es über dich gewinnst … nein, daß es dich gar keine Überwindung kostet, an dieser Stelle und unter diesen Umständen diesen Namen zu nennen! Dein Mangel an Takt ist abnorm, er ist krankhaft …«

»Ich begreife nicht, warum ich Alines Namen nicht nennen soll!« Christian war so außerordentlich erregt, daß Gerda ihn mit wachsender Aufmerksamkeit betrachtete. »Ich nenne ihn gerade, wie du hörst, Thomas, ich gedenke, sie zu heiraten – denn ich sehne mich nach einem Heim, nach Ruhe und Frieden – und ich verbitte mir, hörst du, das ist das Wort, das ich gebrauche, ich verbitte mir jede Einmischung von deiner Seite! Ich bin frei, ich bin mein eigener Herr …«