»Wenn nur der Katzenjammer nicht wäre«, sagte Hanno gepreßt.

»Ja, den Zustand kenne ich ohnehin.« Und Kai bückte sich nach dem Hut und dem Überzieher seines Freundes, die neben der Bank auf dem Boden lagen, nahm die Sachen und trug sie leise auf den Korridor hinaus.

»Dann hast du die Metamorphosenverse wohl nicht sehr genau im Kopfe?« fragte er, als er wieder hereinkam.

»Nein«, sagte Hanno.

»Oder bist du vielleicht auf das Geographie-Extemporale präpariert?«

»Ich bin gar nichts und kann gar nichts«, sagte Hanno.

»Also auch nicht Chemie und Englisch! All right! Wir sind Herzensfreunde und Waffenbrüder!« Kai war sichtlich erleichtert. »Ich bin in genau derselben Lage«, erklärte er munter. »Ich habe am Sonnabend nicht gearbeitet, weil morgen Sonntag war, und am Sonntag nicht, aus Pietät … Nein, Unsinn … hauptsächlich, weil ich etwas Besseres zu arbeiten hatte, natürlich«, sagte er mit plötzlichem Ernst, indem eine leichte Röte sein Gesicht überflog. »Ja, heute kann es vergnüglich werden, Hanno.«

»Wenn ich noch einen Tadel bekomme«, sagte der kleine Johann, »so bleibe ich sitzen; und den bekomme ich sicher, wenn er mich im Lateinischen darannimmt. Der Buchstabe B ist an der Reihe, Kai, das ist nicht aus der Welt zu schaffen …«

»Warten wir's ab! Ha, Cäsar geht aus. Mir haben stets Gefahren im Rücken nur gedroht; wenn sie die Stirn des Cäsar werden sehen …« Aber Kai kam mit seiner Deklamation nicht zu Ende. Es war ihm ebenfalls sehr schlecht zumute. Er ging zum Katheder, setzte sich darauf und fing an, sich mit finsterer Miene in dem Armstuhl zu schaukeln. Hanno Buddenbrook ließ seine Stirn noch immer auf den gekreuzten Armen ruhen. So saßen sie sich eine Weile schweigend gegenüber.

Plötzlich klang irgendwo in weiter Ferne ein dumpfes Summen auf, das schnell zum Brausen ward und sich binnen einer halben Minute bedrohlich heranwälzte …