»Sie haben einen Schlüssel im Buche, eine Übersetzung«, sagte er, als er bei ihm stand.
»Einen Schlüssel … ich … nein …«, stammelte Petersen. Es war ein hübscher Junge, mit einem blonden Haarwulst über der Stirn und außerordentlich schönen blauen Augen, die jetzt angstvoll flackerten.
»Sie haben keinen Schlüssel im Buche?«
»Nein … Herr Oberlehrer … Herr Doktor … Einen Schlüssel?… Ich habe wahrhaftig keinen Schlüssel … Sie befinden sich im Irrtum … Sie haben mich in einem falschen Verdacht …« Petersen redete, wie man eigentlich nicht zu reden pflegte. Die Angst bewirkte, daß er ordentlich gewählt sprach, in der Absicht, dadurch den Ordinarius zu erschüttern. »Ich betrüge nicht«, sagte er aus übergroßer Not. »Ich bin immer ehrlich gewesen … mein Lebtag!«
Aber Doktor Mantelsack war seiner traurigen Sache allzu sicher.
»Geben Sie mir Ihr Buch«, sagte er kalt.
Petersen klammerte sich an sein Buch, er hob es beschwörend mit beiden Händen empor und fuhr fort, mit halb gelähmter Zunge zu deklamieren: »Glauben Sie mir doch … Herr Oberlehrer … Herr Doktor … Es ist nichts im Buche … Ich habe keinen Schlüssel .... Ich habe nicht betrogen … Ich bin immer ehrlich gewesen …«
»Geben Sie mir das Buch«, wiederholte der Ordinarius und stampfte mit dem Fuße.
Da erschlaffte Petersen, und sein Gesicht wurde ganz grau.
»Gut«, sagte er und lieferte das Buch aus, »hier ist es. Ja, es ist ein Schlüssel darin! Sehen Sie selbst, da steckt er!… Aber ich habe ihn nicht gebraucht!« schrie er plötzlich in die Luft hinein.