»Das Herz. Es ist von jeher dasselbe gewesen. – In letzter Zeit fühle ich mich aber sehr gut, ganz ausgezeichnet. Ich kann sagen, dass ich ganz gesund bin. Übrigens mit meinen 23 Jahren – es wäre ja auch traurig ...«
Seine Laune war wirklich gut. Er erzählte heiter und lebendig von seinem Leben seit unserer Trennung. Er hatte bald nach derselben bei seinen Eltern es durchgesetzt, Maler werden zu dürfen, war seit etwa dreiviertel Jahren mit der Akademie fertig – soeben war er nur zufällig dort gewesen – hatte einige Zeit auf Reisen, besonders in Paris gelebt und sich nun seit ungefähr fünf Monaten hier in München niedergelassen ..... »Wahrscheinlich für lange Zeit – wer weiss? Vielleicht für immer ...«
»So?« fragte ich.
»Nun ja? Das heisst – warum nicht? Die Stadt gefällt mir, gefällt mir ausnehmend! Der ganze Ton – wie? Die Menschen! Und – was nicht unwichtig ist – die sociale Stellung als Maler, auch als ganz unbekannter, ist ja exquisit, ist ja nirgends besser ...«
»Hast Du angenehme Bekanntschaften gemacht?«
»Ja. – Wenige, aber sehr gute. Ich muss Dir zum Beispiel eine Familie empfehlen .. Ich lernte sie im Fasching kennen ... Der Fasching ist reizend hier –! Stein heissen sie. Baron Stein sogar.«
»Was ist denn das für ein Adel?«
»Was man Geldadel nennt. Der Baron war Börsenmann, hat früher in Wien eine kolossale Rolle gespielt, verkehrte mit sämtlichen Fürstlichkeiten und so weiter ... Dann geriet er plötzlich in Décadence, zog sich mit ungefähr einer Million – sagt man – aus der Affaire und lebt nun hier, prunklos, aber vornehm.«
»Ist er Jude?«
»Er, glaube ich, nicht. Seine Frau vermutlich. Ich kann übrigens nicht anders sagen, als dass es äusserst angenehme und feine Leute sind.«