„Fäulnis, Verwesung,“ sagte Hans Castorp, „das ist doch Verbrennung, Verbindung mit Sauerstoff, soviel ich weiß.“

„Auffallend richtig. Oxydation.“

„Und Leben?“

„Auch. Auch, Jüngling. Auch Oxydation. Leben ist hauptsächlich auch bloß Sauerstoffbrand des Zelleneiweiß, da kommt die schöne tierische Wärme her, von der man manchmal zu viel hat. Tja, Leben ist Sterben, da gibt es nicht viel zu beschönigen, – une destruction organique, wie irgendein Franzos es in seiner angeborenen Leichtfertigkeit mal genannt hat. Es riecht auch danach, das Leben. Wenn es uns anders vorkommt, so ist unser Urteil bestochen.“

„Und wenn man sich für das Leben interessiert,“ sagte Hans Castorp, „so interessiert man sich namentlich für den Tod. Tut man das nicht?“

„Na, so eine Art von Unterschied bleibt da ja immerhin. Leben ist, daß im Wechsel der Materie die Form erhalten bleibt.“

„Wozu die Form erhalten“, sagte Hans Castorp.

„Wozu? Hören Sie mal, das ist aber kein bißchen humanistisch, was Sie da sagen.“

„Form ist ete-pe-tete.“

„Sie haben entschieden was Unternehmendes heute. Förmlich was Durchgängerisches. Aber ich falle nun ab“, sagte der Hofrat. „Ich werde nun melancholisch“, sagte er und legte seine riesige Hand über die Augen. „Sehen Sie, das kommt so über mich. Da habe ich nun Kaffee mit Ihnen getrunken, und es hat mir geschmeckt, und auf einmal kommt es über mich, daß ich melancholisch werde. Die Herren müssen mich nun schon entschuldigen. Es war mir was Besonderes und hat mir allen möglichen Spaß gemacht ...“