„Der Humor,“ rief Settembrini über die linke Schulter, „der Humor in der Naturbetrachtung unseres Professors besteht darin, daß er, wie die heilige Katharina von Siena, an die Wunden Christi denkt, wenn er rote Primeln sieht.“

Naphta erwiderte:

„Das wäre eher witzig als humoristisch. Aber es hieße immerhin Geist in die Natur tragen. Sie hat es nötig.“

„Die Natur,“ sagte Settembrini mit gesenkter Stimme und nicht mehr völlig über die Schulter hinweg, sondern nur noch an ihr hinunter, „hat Ihren Geist durchaus nicht nötig. Sie ist selber Geist.“

„Sie langweilen sich nicht mit Ihrem Monismus?“

„Ah, Sie geben also zu, daß es Vergnügungssucht ist, wenn Sie die Welt feindlich entzweien, Gott und Natur auseinanderreißen!“

„Es interessiert mich, daß Sie Vergnügungssucht nennen, was ich im Sinne habe, wenn ich Passion und Geist sage.“

„Zu denken, daß Sie, der so große Worte für so frivole Bedürfnisse setzt, mich manchmal einen Redner nennen!“

„Sie bleiben dabei, daß Geist Frivolität bedeutet. Aber er kann nichts dafür, daß er von Hause aus dualistisch ist. Der Dualismus, die Antithese, das ist das bewegende, das leidenschaftliche, das dialektische, das geistreiche Prinzip. Die Welt feindlich gespalten sehen, das ist Geist. Aller Monismus ist langweilig. Solet Aristoteles quaerere pugnam.“

„Aristoteles? Aristoteles hat die Wirklichkeit der allgemeinen Ideen in die Individuen verlegt. Das ist Pantheismus.“