»Gutes Jettchen,« sagte Ditlinde, »wie du sprichst! Du bist erwartet und willkommen. Und meine Brüder wissen, daß wir du zueinander sagen. Also nichts von Großherzoglicher Hoheit, wenn ich bitten darf. Wir sind nicht im Alten Schloß. Sitz nieder und sei gemütlich. Willst du Tee? Er ist noch heiß. Und hier sind gezuckerte Früchte. Ich weiß, du ißt sie gern.«

»Ja, tausend Dank, Ditlinde, die esse ich für mein Leben gern!« Und Fräulein von Isenschnibbe nahm mit dem Rücken gegen das Fenster, Klaus Heinrich gegenüber, an der Schmalseite des Teetisches Platz, streifte einen Handschuh ab und begann, spähend vorgebeugt, mit der silbernen Zange Süßigkeiten auf ihren Teller zu legen. Ihre kleine Brust atmete rasch und beklommen vor freudiger Erregung.

»Neuigkeiten weiß ich,« sagte sie, unfähig, länger an sich zu halten … »Neuigkeiten … mehr, als in meinen Pompadour gehen! Das heißt … im Grunde ist es nur eine, nur eine – aber die hat das Maß, die kann sich sehen lassen, und es ist ganz sicher, ich habe es aus bester Quelle, du weißt, daß ich zuverlässig bin, Ditlinde, noch heute abend wird es im ›Eilboten‹ stehn, und morgen wird die ganze Stadt davon sprechen.«

»Ja, Jettchen,« sagte die Fürstin, »das muß man zugeben, du kommst niemals mit leeren Händen. Aber nun sind wir gespannt, nun sage deine Neuigkeit.«

»Gut also. Ich bitte, Luft holen zu dürfen. Weißt du, Ditlinde, wissen Königliche Hoheit, wissen Großherzogliche Hoheit, wer kommt, wer in den Quellengarten kommt, wer auf sechs oder acht Wochen zum Kurgebrauch in den Quellenhof zieht, um das Wasser zu trinken?«

»Nein«, sagte Ditlinde. »Aber du weißt es, gutes Jettchen?«

»Spoelmann«, sagte Fräulein von Isenschnibbe. »Spoelmann«, sagte sie, lehnte sich zurück und machte Miene, mit den Fingerspitzen auf den Tischrand zu schlagen, tat aber der Bewegung ihrer Hand dicht über dem blauseidenen Läufer Einhalt.

Die Geschwister blickten einander zweifelnd an.

»Spoelmann?« fragte Ditlinde … »Besinne dich, Jettchen: der richtige Spoelmann?«

»Der richtige!« Des Fräuleins Stimme brach sich vor unterdrücktem Jubel. »Der richtige, Ditlinde. Denn es gibt ja nur einen, oder doch nur einen, den man kennt, und der ist es, den sie im Quellenhof erwarten – der große Spoelmann, der Riesen-Spoelmann, der ungeheure Samuel N. Spoelmann aus Amerika!«