»Was ich dir vorzuschlagen habe,« sagte Albrecht – er stand am Schreibtisch und hantierte unbewußt mit einem Papiermesser, einem spielzeughaften und albernen Ding in Form eines Kavalleriesäbels –, »steht in gewisser Beziehung zu unserem Gespräch von heute nachmittag … Ich schicke voraus, daß ich die Angelegenheit diesen Sommer in Hollerbrunn mit Knobelsdorff durchgesprochen habe. Er ist einverstanden, und wenn auch du es bist, woran ich nicht zweifle, so kann ich meine Absicht sogleich verwirklichen.«

»Bitte, Albrecht, laß hören«, sagte Klaus Heinrich, der in aufmerksamer und militärischer Haltung am Sofatische stand.

»Mein Befinden«, fuhr der Großherzog fort, »läßt in letzter Zeit mehr und mehr zu wünschen übrig.«

»Das tut mir leid, Albrecht! Du hast dich also in Hollerbrunn gar nicht erholt?«

»Danke. Nein. Es geht mir schlecht, und meine Gesundheit zeigt sich den Anforderungen, die man an mich stellt, immer weniger gewachsen. Wenn ich sage ›Anforderungen‹, so meine ich in erster Linie die Pflichten festlicher und repräsentativer Natur, die mit meiner Stellung verbunden sind – und hier ist der Berührungspunkt mit der Unterhaltung, die wir vorhin bei Ditlinde führten. Die Ausübung dieser Pflichten mag beglücken, wo ein Kontakt mit dem Volke, eine Verwandtschaft, ein Gleichschlag der Herzen vorhanden ist. Mir ist sie eine Qual, und die Falschheit meiner Rolle ermüdet mich in einem Grade, daß ich darauf bedacht sein muß, Gegenmaßregeln zu treffen. Ich bin hierin – soweit das Körperliche in Frage kommt – im Einverständnis mit meinen Ärzten, die mein Vorhaben durchaus unterstützen … Höre mich also an. Ich bin unverheiratet, ich hege, wie ich dich versichern kann, nicht die Absicht, jemals eine Ehe einzugehen, ich werde keine Kinder haben. Du bist Thronfolger aus angeborenem Recht des Agnaten, du bist es noch mehr im Bewußtsein des Volkes, das dich liebt …«

»Ach, Albrecht, du sprichst immer von meiner Beliebtheit … Ich glaube gar nicht daran. Von weitem vielleicht … So ist es bei uns. Wir sind immer nur von weitem beliebt.«

»Du bist zu bescheiden. Höre weiter. Du hattest schon bisher zuweilen die Güte, mir diese und jene meiner repräsentativen Pflichten abzunehmen. Ich möchte, daß du sie mir alle abnähmest, ganz, auf immer.«

»Du denkst an Abdikation, Albrecht?« fragte Klaus Heinrich erschrocken …

»Ich darf nicht daran denken. Glaube mir, daß ich gern daran dächte. Aber man würde mir's verwehren. Woran ich denke, ist nicht einmal Regentschaft, sondern nur Stellvertretung – vielleicht erinnerst du dich aus irgendeinem Kolleg dieser staatsrechtlichen Unterscheidungen –, eine dauernde und amtlich festgelegte Stellvertretung in allen repräsentativen Funktionen, begründet durch die Schonungsbedürftigkeit meiner Gesundheit. Wie ist deine Meinung?«

»Ich stehe dir zu Befehl, Albrecht. Aber ich sehe noch nicht ganz klar. Wie weit soll die Stellvertretung gehen?«