»Ja,« sagte sie, »Percy, du bist mein guter Freund, ich werde immer zu dir halten. Jemand, ein Kundiger, hat ihn für geisteskrank erklärt, das komme bei edlen Hunden nicht selten vor, und hat uns geraten, ihn töten zu lassen, weil er unmöglich sei und uns jeden Tag zur Verzweiflung bringen werde. Aber ich lasse mir meinen Percy nicht nehmen. Er ist unmöglich, ja, und manches Mal schwer zu ertragen; aber bei alledem ist er rührend und brav und hat meine volle Zuneigung.«
Hierauf sprach auch die Gräfin noch dies und das über des Collies Natur, aber es wurde bald wirr und sonderbar, was sie sagte, ging in ein Selbstgespräch mit lebhaftem und elegantem Gestenspiel über; und nachdem sie zuletzt einen gekniffenen Blick zu Klaus Heinrich hinübergesandt, verfiel sie aufs neue in Abwesenheit.
Klaus Heinrich fühlte sich froh und getröstet, sei es durch den scharfen Ritt – bei dem er sich übrigens weidlich hatte zusammennehmen müssen, da er zwar gut und ansprechend zu Pferde saß, aber eigentlich, schon seiner linken Hand wegen, kein sehr sicherer Reiter war –, sei es aus anderem Grunde. Als sie das Nadelgehölz verlassen hatten und auf der stillen Landstraße zwischen Wiesen und gefurchten Äckern hin und dann und wann an einem Bauerngehöft, einer ländlichen Wirtschaft vorüber, im Schritt der nächsten Waldung entgegenritten, fragte er gedämpft: »Wollen Sie nicht Ihr Versprechen einlösen und mir von der Gräfin erzählen, Fräulein Imma? Wie ist sie Ihre Gesellschaftsdame geworden?«
»Sie ist meine Freundin,« antwortete sie, »und in gewisser Weise auch meine Lehrerin, obgleich sie erst zu uns kam, als ich schon erwachsen war. Das war vor drei Jahren, in Neuyork, und die Gräfin war damals in schrecklicher Lebenslage. Sie war am Verhungern«, sagte Imma Spoelmann, und indem sie es sagte, richtete sie ihre großen, schwarzen Augen mit einem forschenden und entsetzten Ausdruck auf Klaus Heinrich.
»Wirklich am Verhungern?« fragte er und erwiderte ihren Blick … »Bitte, erzählen Sie weiter!«
»Ja, das sagte ich auch, damals, als sie zu uns kam, und obgleich ich natürlich wohl sah, daß ihr Verstand nicht in Ordnung war, so machte sie doch so großen Eindruck auf mich, daß ich meinen Vater veranlaßte, sie mir zur Gesellschaft zu geben.«
»Wie kam sie nach Amerika? – Ist sie Gräfin von Geburt?« fragte Klaus Heinrich.
»Nicht Gräfin, aber von Adel und in guten und sanften Verhältnissen aufgewachsen, behütet und geschützt vor allen Winden, wie sie mir erzählte, schon weil sie von Kind auf innerlich zart und verletzlich und schonungsbedürftig gewesen sei. Aber dann ging sie ihre Ehe ein mit dem Grafen Löwenjoul, Offizier, Reiterhauptmann – und das war ein etwas eigenartiger Aristokrat, ihren Erzählungen nach – nicht ganz mustergültig, um mich gelinde auszudrücken.«
»Wie mag er gewesen sein …« fragte Klaus Heinrich.
»Ja, Prinz, genau kann ich es Ihnen nicht sagen. Sie müssen in Erwägung ziehen, daß die Gräfin eine etwas dunkle Art zu erzählen hat. Aber ihren Andeutungen nach zu urteilen, muß er ein so wilder und schamloser Mensch gewesen sein, wie man es sich nur schwerlich vorzustellen vermag, so ein Wüstling, wissen Sie …«