[8] Neben dem lateinischen Hospiz gegen Mittag steht, nur durch eine schmale Stiegengasse getrennt, das griechische Kloster. Von unserm Dache sah ich auf dasjenige dieses Klosters hinunter. Ich konnte die Pilger täglich beobachten, wollte sie aber zuerst nicht für Mitchristen halten, weil sie auch des Sonntags arbeiteten. Die Pilgerinnen putzten sich auf dem Dache, als sähe sie Niemand, und als hätten sie einem Lustanlasse beizuwohnen. Eine junge Griechin wollte nicht einmal so viel Rücksicht nehmen, wie die halbschwarze Egypzierin.
[9] Viele wurden ehedem auf dem Landwege nach Jerusalem meuchelmörderisch überfallen. Eine Menge fand schon in dem Abgrunde des Meeres den Tod. In der letzten Sturmeszeit sollen in einem Nachbarhafen 140 Pilger um das Leben gekommen sein.
[10] Es gibt benachbarte Gegenden, wo der schüchterne Jüngling mit Stockprügeln zur Lüftung des Schleiers getrieben werden muß. Risum teneatis, amici. Wie weit weg vom ritterlichen Heldenmuthe.
[11] Diese Männer Gottes verdammen wahrscheinlich nach der Lehre der Schrift: Nolite judicare, ut non judicemini (Urtheilet nicht, damit ihr nicht beurtheilet werdet.)
[12] Wenn man nicht lieber auf dem Dampfboote des österreichischen Lloyd reisen will, welches allemal im Anfange und in der Mitte eines Monats von Triest abfährt (1839).
[13] Wer bequemer reisen will, dem kann ich nicht nachdrücklich genug empfehlen, daß er auf irgend eine Vorrichtung zum Schutze vor den Stechfliegen, den Schlafräubern, denke. Ich verbrachte die erste Nacht in Alexandrien wegen der Stechfliegen sehr unangenehm. Ich betrachtete den Bettvorhang mit nordischen Augen, und glaubte, er sollte das Bett umhüllen. Ich erzählte meine Widerwärtigkeit, und da vernahm ich, daß er ein Fliegenvorhang (Mosquetière) sei. Ich solle, hieß es, vor dem Schlafengehen nur alle Fliegen hinausjagen, und dann das Bett mit dem Vorhang umschließen. Ich that es, und schlief ungestört. In meinem Zimmer brumsete eine solche Menge Fliegen, daß sie meinen Zucker buchstäblich schwärzte. Eine Limonade zu bereiten, kostete viel Mühe, und bei aller Vorsicht konnte ich nicht hindern, daß nicht einige Fliegen in das Getränke fielen. In Abusabel bettete man mir vortrefflich auf dem Diwane; es fehlte aber ein Fliegenvorhang; ich deckte das Gesicht mit einem Tuche; dieses hielt zu warm, und ich mußte es entfernen. Die Fliegenqual gestattete mir wenig Schlaf. Ehe ich bei meinem Freunde in Kairo einzog, machte ich darum auch Schwierigkeiten, weil er keinen Fliegenvorhang besitze. In seinem Hause seien wenig Fliegen, erwiederte er. In der That beunruhigte mich nur selten eine Fliege. Man unterscheidet in Kairo die Häuser in solche, worin es viel, und in andere, worin es wenig oder keine Fliegen gibt, je nachdem ohne Zweifel die Häuser von der Sonne mehr oder minder beschienen werden, und für jene mehr oder minder Köder enthalten. Die letzten, doch nicht viele, Stechfliegen plagten mich in Ramle. In Jaffa sollen sie selbst in der Mitte des Sommers sehr selten schwärmen. Die Bücher englischer Reisender sind überaus erbaulich, wenn sie über die Stechfliegen so gewaltig Lärm schlagen. Von Leuten, die auf eine Reise viel verwenden, sich aber wegen der wichtigen Kleinigkeit nicht vorsehen, wie leicht man sich auch vor den Fliegen schützen könnte, muß man beinahe glauben, daß sie Stoff zu Klagen lieben und suchen.
[14] Die Bemerkungen über die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Bewohner in Syrien übersetzte ich während meiner Wanderung größtentheils aus der vorne [S. 5 des 1. Bandes] genannten italienischen Schrift von Failoni.