Und während sie ihm die Hand gab, sah sie ganz tief in seinen Augen etwas wie ein leises Verstehen aufglimmen – ein fernes, unterdrücktes Verstehen, das nicht erst jetzt entstanden sein konnte.
Und sie fühlte wie ihr eigner Blick so ganz fest und ruhig wurde – wie um ein jedes Einverständnis abzuweisen.
Wenn er später an diesen Augenblick zurückdenken würde, so sollte es ohne die niederziehende Last einer Gemeinsamkeit zwischen ihnen sein. Sie konnte ihn so ganz verstehen: Seine Liebe mochte keine fremde Berührung auf sich dulden.
Ja, sie gab ihm mit diesem ruhigen, kühlen Blick die Fremdheit wieder, die zwischen ihnen bestehen sollte. –
Dann ging sie hinauf in ihr Zimmer.
XIX
Sollte es schlimmer mit Eliza gehen? Da war niemand zur Bahn gekommen, um Esther abzuholen, wie es sonst gewiß geschehen wäre.
Esther fühlte, wie sich ihre Kehle in einer plötzlichen Angst zusammenpreßte.
Und dann lief sie, ohne um sich zu sehen, den wohlbekannten Weg über die Heide. Zuweilen tauchte ganz in der Ferne eine menschliche Gestalt auf. Vielleicht war es nur eine Verspätung, und sie würde unterwegs noch einem Bewohner von Eriksgaard begegnen. – Aber jedesmal war es ein Fremder, ein Bauer, der mit hervorgestoßenem »go' dau!« vorüberstolperte, oder ein neugieriger Sommerfrischler, der den Hut zog und sich dann heimlich umblickte.
Esther lief immer schneller gegen den Wind an, der einen süß-scharfen Geruch vom blühenden Heidekraut aufwühlte.