Er fuhr fort: »Wir brauchen nicht mehr die trügerische Hoffnung. Wir haben die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse. Wir wissen, daß ein Fortleben unmöglich ist, weil das Leben nicht mehr ist, als die Wärme, die beim Zusammenreiben von zwei Steinen erzeugt wird. Sie entsteht und verflüchtigt sich. Die tote Materie bleibt zurück.«
Esther dachte: Ob es nicht vielleicht in der Natur des Glückes liegt, sich die Ewigkeit erzwingen zu wollen – über alle Erkenntnis hinaus? –
Da sagte er: »Mich würde kein Schmerz fahnenflüchtig machen.«
Sie lächelte vor sich hin. Wie war es doch gekommen, daß sie einzig Glück als ein Gegenargument genommen hatte, sie, die doch das Glück nie kannte? – Freilich, es mochte wohl meist der Schmerz sein, der die Menschen zwang, eine Hoffnung auf das Jenseits zu bauen – der Schmerz, den sie keine Stunde tragen möchten, wenn nicht die mystische Wandlung zu ewiger Freude bevorstände. – –
Arne hielt ihr Schweigen für widerstandslose Einsicht. Er war sehr zufrieden mit dem Sieg der Wissenschaft und ein bißchen auch mit dem seines Geistes.
Er sah sie an, folgte ihren Bewegungen, und das Gefühl seiner Überlegenheit steigerte nur die Freude an ihrer jungen und anmutigen Weiblichkeit.
»Übrigens liebe ich es, wenn Frauen ein wenig Christentum haben,« sagte er da gönnerhaft.
Sie hatte plötzlich Lust, ihn an den Ohren zu reißen und einen kleinen, dummen Jungen zu nennen. Sie sagte aber nur mit ironischer Demut: »Ich danke Ihnen im Namen aller Frauen!«
Er schielte herüber, ob sie auch nicht zu sehr den Sinn seiner Worte verstanden habe und wurde verlegen. Er wurde so verlegen, daß es ihn nach einer Kraftäußerung gelüstete, und da kam ihm ein sumpfiger Kuhpfad zu statten, der hier den Weg überquerte.
Eifrig rief er: »Sie müssen es schon erlauben!« und hob Esther auf seine Arme. Mit der leichten Kraft eines jungen Centauren trug er seine Last über den Sumpf.