VI

Purpurn schillerte die Heide vor lauter Sonnenlicht.

Sie gingen nicht mehr zusammen auf den kleinen Kirchhof – sie suchten alles auf, was froh und leuchtend war.

Wie die Kinder gingen sie miteinander Hand in Hand. Und sie machten Entdeckungen in der altgewohnten Umgebung, ihre Blicke waren so sonderbar für alle Außenwelt geschärft, und sie fanden auf einmal wundersam schön, was sie früher gar nicht beachtet hatten.

In den Wald kamen sie am oftesten. Es gab da so viel Buschholz, daß man sich schon verirren konnte, oder sich doch auf Augenblicke der aufregenden Vorstellung hingeben, man wüßte nicht mehr den Heimweg zu finden, und wenn auch das einmal nicht möglich war, so konnte man wenigstens dem andern diese Möglichkeit vortäuschen.

Esther gab sich in dieser Zeit ganz der Gegenwart hin.

Eine übermütige Knabenlust, ihre Körperkräfte zu erproben, überfiel sie manchmal. Dann forderte sie Arne zum Ringkampf heraus und sie balgten sich miteinander wie Gassenbuben.

Dann lagen sie wieder ausgetobt und beschaulich geworden am Waldsaum.

»Ach wenn ich doch lieber ein Mann wäre!« seufzte Esther.

»Dann wärst du kaum erst mit dem Gymnasium fertig – ein Student in den ersten Semestern!«