Suse schaute sich erschreckt um. Sie waren ja schon in der Straße angekommen, die auf den gefährlichen Platz führte. — Gewiß, dort zur rechten Seite nah’ ihrer Mündung auf den Platz, lag das Schilderhaus, an dem sie gestern mit Ursel vorübergegangen war, und das sie sich gemerkt hatte, weil dort ein gefährlich aussehender, brummiger, grimmiger Soldat gestanden war.
„Dort hinten steht der Soldat!“ flüsterte sie jetzt ihrem Bruder zu. „Dort möchte ich nicht gern vorbei, Hans. Denn er hat mich gestern so zornig angesehen, als ich vorbeiging, als wollte er mich erschießen.“
„Das meinst du nur so,“ beruhigte Hans. „Er schießt nicht. Er tut keinem Menschen etwas. Der steht Wache. Komm nur mit und guck ihn dir ruhig an.“
Langsam und zögernd setzte das kleine Mädchen einen Fuß vor den andern.
Noch einige Schritte fehlten, dann mußten sie bei der Wache sein — da sah sie ihr entgegen auf demselben Bürgersteig einen Offizier kommen. Sein Säbel rasselte hinter ihm her.
Und nun horchte Suse plötzlich erschreckt auf und blieb wie angewurzelt stehen. Hinter sich hatte sie einen Ton vernommen, der ihr Blut erstarren ließ. — Ach, sich umzusehen hätte sie nicht gewagt, um alle Schätze der Welt nicht. — Ein Huschen, Sausen und Gleiten war zu hören — und sie wußte jetzt, jetzt kam’s hinter ihr her, ihr Feind, das Automobil. Eines von den Ungeheuern, die wie auf Filzpantoffeln heranglitten, einen mit ihren Augen, groß wie Messingkübel, frech anstarrten und dann aufschrien wie wilde Kühe.
Das kleine Mädchen zitterte und bebte am ganzen Körper und zog den Kopf aus Schrecken über den ersten fürchterlichen Ton, der kommen müsse, leicht zwischen die Schultern.
Und jetzt war sie mit Hans bei dem Soldaten angelangt, und auch der Offizier war ganz nahe.
Da — hui — flog das Automobil daher und mitten vor dem Schilderhaus gellte und schrie es laut auf, als wollte es zerspringen. Schauerlich war’s.
Da sprang der Soldat vor sein Schilderhaus, scharrte mit den Füßen, riß sein Gewehr von der Schulter und streckte es dem Offizier hin.