Labiatae
Die Lippenblüter oder Labiaten sind bekanntlich vielfach durch charakteristische Gerüche ausgezeichnet. Zu diesen wohlriechenden Pflanzen gehört auch Pogostemon Patchouli[48] aus Ostindien, die Patschoulipflanze, ein ausdauerndes, immergrünes, krautiges Gewächs mit hellgrünen, fast rautenförmigen, weichhaarigen Blättern, welche den bekannten Duft aushauchen. Die Pflanze will im Winter im geheizten Wohnzimmer stehen; sie verlangt ziemlich feuchte Luft und ist etwas schwierig im Zimmer zu halten. Dagegen halten sich die Coleus-Arten aus Java im warmen Zimmer bei nur einiger aufmerksamer Pflege sehr gut. Es sind hauptsächlich drei Arten: Coleus Blumei Benth.[49], Coleus laciniatus Bl.[50] und Coleus Verschaffelti Lemaire[51], welche vielfach mit einander gekreuzt worden sind und einer großen Anzahl Gartenformen, die sich durch prächtige Buntfärbung des Laubes auszeichnen, den Ursprung gegeben haben. Am [pg 85] schönsten werden die Coleus, wenn man sie ganz dicht am sonnigen Fenster hält und sie nicht spritzt, sondern durch feuchtes Moos, mit dem man die Töpfe umgibt, dafür sorgt, daß die Pflanzen stets von feuchter Luft umgeben sind. Die Coleusblätter haben nämlich die im Pflanzenreiche ziemlich vereinzelt dastehende Eigentümlichkeit, daß die Blattfarbe durch Wasser abgewaschen wird. Alte Pflanzen von Coleus, welche nicht von unten auf beblättert sind, sehen unansehnlich aus. Man zieht sich deshalb junge Pflanzen aus Stecklingen heran, die unter Glas in sandiger Erde sehr schnell Wurzeln bilden. Die bewurzelten Stecklinge pflanzt man in mehr breite als tiefe Töpfe in eine recht nahrhafte, lockere, sandige, humusreiche Erde und düngt sie regelmäßig und reichlich mit einer Tausendellösung von salpetersaurem Kali. Sowie die Wurzeln die Topfwand erreicht haben, verpflanzt man mit möglichster Schonung des Ballens in größere Töpfe. Um recht buschige Exemplare zu erhalten, schneidet man die Spitze des Stecklings, die man wieder als Steckling verwenden kann, fort und entspitzt auch weiterhin die Seitentriebe wiederholt, wenn sie das dritte bis vierte Blattpaar gebildet haben. In neuerer Zeit sind besonders großblättrige Formen gezüchtet worden, welche aber die älteren, kleinblättrigeren Formen in der Farbenpracht nicht erreichen.
Acanthaceae
Die Acanthaceen bilden eine hauptsächlich in den warmen Zonen heimische Familie, welche eine ganze Reihe [pg 86] prächtiger Zierpflanzen für das Zimmer enthält. Nicht wenige sind durch schöne Blüten ausgezeichnet, andere wieder, welche uns hier im besonderen interessieren, besitzen wunderbar gefärbte Blätter. Die Kultur der Acanthaceen ist im allgemeinen keine schwierige. Man gebe ihnen einen Stand im warmen Zimmer, nahe am Fenster, sorge aber dafür, daß sich die Wurzeln nicht erkälten, weil diese sehr empfindlich sind. Ein Doppeltopf (s. [S. 37]) leistet gute Dienste. Die Erde sei nahrhaft, aber locker, der Wasserabzug gut. Während der Vegetations-Periode ist ein wiederholter Dungguß sehr am Platze. Die Vermehrung gelingt in den meisten Fällen leicht durch Stecklinge, die man unter Glas hält. Kann man einen warmen Kasten geben, so ist es um so besser.
Strobilanthes Dyerianus
Eine der schönsten Acanthaceen, welche erst in den letzten Jahren in Kultur genommen ist, ist Strobilanthes Dyerianus aus Ostindien. Die großen lanzettlichen, paarweise gestellten Blätter zeigen auf der Oberseite ein prächtiges purpurrotes Lüstre, welches sich mit dem wechselnden Lichte ändert. Die Pflanze erlangt ihre größte Schönheit an schattiger Stelle. Durch häufiges Entspitzen sorge man für buschiges Wachstum. Eine zweite sehr schöne Art ist Strobilanthes maculatus (Vielfach unter dem Namen Ruellia maculata in Kultur) aus Indien, deren dunkelgrüne, länglichlanzettliche Blätter zu beiden Seiten des Hauptnerves je eine Reihe großer, reinweißer Flecken haben.
Sanchezia nobilis