Es ist begreiflich, daß dieser Besitzwechsel manche Verdrießlichkeit für den Verwalter im Gefolge hatte, und Frau Marie bemerkte öfters, daß sich eine Wolke auf der sonst so heiteren Stirne ihres Mannes lagerte, die zu zerstreuen ihr mit all ihrem Liebreiz nicht immer gelang.
Als deshalb Johannes nach und nach wieder auf seinen alten Plan zurückkam, ein eigenes Gut erwerben zu wollen, unterstützte sie denselben lebhaft, und die Suche nach einem geeigneten Kaufobjekt begann.
An Angeboten fehlte es nicht. In allen Landesgegenden waren große und kleine Bauerngüter feil, und gar bald begann für Johannes die Qual der Wahl. Als Verwalter hatte er sich an große Verhältnisse gewöhnt, und es wäre deshalb nur zu natürlich gewesen, wenn er sich für einen größeren Betrieb entschieden hätte. Seine praktischen Erfahrungen und die Lehren, die er in der Schule erhalten hatte, waren indessen bei ihm zu tief gewurzelt, als daß er die Klugheit seinen persönlichen Liebhabereien geopfert hätte. Er sagte sich, daß der Grundsatz, die verfügbaren Mittel allein über die Größe des zu erwerbenden Gutes entscheiden zu lassen, der allein richtige sei.
So entschied er sich denn für den Lindenbühl. Johannes mußte zwar zugeben, daß dieser Besitz seine Vorteile und Nachteile hatte, aber er sagte sich, daß es ihm schwerlich gelingen könnte, ein Gut zu finden, an welchem es nicht das oder jenes auszusetzen gebe. Für den Erwerb des Lindenbühls sprachen hauptsächlich die geeignete Größe, die günstige Lage, der gute Boden und der verhältnismäßig billige Kaufpreis. Bei sofortiger Barzahlung behielt Johannes noch genügend Kapital, um das sehr vernachlässigte Anwesen wieder einigermaßen in den Stand zu setzen, die mangelhaften Einrichtungen zu ergänzen und den Betrieb rationell zu regeln.
Das alles hatte er genau überlegt und berechnet, und erst nachdem alles, was für und gegen den Kauf sprach, genau abgewogen war und sein Vater den Hof besichtigt und ebenfalls für den Erwerb eintrat, wurde die Angelegenheit perfekt.
Nach erfolgter Kündigung verließ er seine Stelle und siedelte nach Haldenburg über, um vom Lindenbühl Besitz zu ergreifen, und dort als selbständiger Bauer ein neues Arbeitsfeld zu eröffnen.
Vorerst kümmerte sich Wachter um nichts anders, als um sein Heimwesen, und da gab es wahrlich genug zu tun; denn, wie wir schon wissen, hatte der frühere Besitzer sehr schlecht gewirtschaftet, zuletzt alles, was irgend anging, zu Geld gemacht, das übrige aber verlottern lassen. Zum Glück waren die Gebäude ziemlich gut im Stande; sie waren zwar äußerst schlicht und einfach, und mancher Landwirt, der in so guten Verhältnissen sich befunden hätte wie Johannes, hätte sich gewiß mit dem Gedanken getragen, wenigstens einen Teil der alten Bauten abzutragen und etwas schöneres, der Neuzeit entsprechenderes an ihre Stelle zu setzen. Unser Wachter aber begnügte sich, die notwendigen Reparaturen durchzuführen. Er wußte, daß das Gebäudekapital bei der Landwirtschaft das allerunproduktivste sei. Die alten Ställe und Scheunen erlaubten ihm, das Vieh und die Produkte gut unterzubringen, und das genügte ihm vollständig. Daß das ganze von außen nicht gerade luxuriös aussah, kümmerte ihn nicht so viel. Lieber als für Neubauten, wollte er sein Betriebskapital dazu verwenden, den Boden produktiver zu machen, und dadurch dafür zu sorgen, daß er die alten Ställe und Vorratsräume wenigstens füllen konnte.
Einigen Aufwand leistete er sich einzig bei der Instandstellung seiner Wohnung. Da ließ er seiner Frau freien Spielraum, wohl wissend, daß sie die richtige Grenze einhalten werde zwischen unnötigem Luxus und unangebrachter Sparsamkeit.
Nach dem gleichen Prinzip wie bei der Renovation der Gebäude verfuhr Johannes bei der Einrichtung seines ganzen Betriebes. Praktisch und gut unter Verpönung jeden Luxus, das war auch hier sein Grundsatz.
Dem jetzigen Ertrag des Gutes entsprechend, füllte er seinen Stall mit leistungsfähigem Vieh, bei dessen Ankauf er nicht knauserte. Später gedachte er durch Anlegung von Kunstwiesen und durch eine rationelle Düngerwirtschaft den Futterertrag bedeutend zu steigern und dementsprechend den Viehstand zu vermehren. Die vorhandenen Geräte und Betriebseinrichtungen waren größtenteils sehr mangelhaft und unzureichend. Da wurde denn alles so ergänzt, daß nicht unnötige Arbeitskraft verschwendet werden mußte, und zugleich eine Arbeit geleistet werden konnte, die einen vollen Erfolg erhoffen ließ. Großes Gewicht wurde auch darauf gelegt, Einrichtungen zu treffen, um die erzielten Produkte bestmöglich verwerten und alles gut ausnützen zu können.