Als dieses Wort des Krishna er vernommen,35
Die Hände faltend, zitternd, ihn verehrend,
Sprach wieder also Arjuna zu Krishna,
Nur stammelnd, ganz in Furcht, vor ihm sich neigend:
ARJUNA SPRACH
Mit Recht erfreuet sich an deinem Ruhme36
Die Welt und ist dir ehrfurchtsvoll ergeben;
Die Rakshas[146] fliehn entsetzt nach allen Seiten,
Der Sel'gen Scharen all vor dir sich neigen.
Und warum sollten sie sich dir nicht beugen,37
Dem ersten Schöpfer, würd'ger selbst als Brahman?
Du Götterherr, Endloser, Weltenwohnstatt,
Du bist der Ew'ge, Höchste, Sein und Nichtsein!
Du bist der erste Gott, der alte Urgeist,38
Du bist der höchste Schatz des ganzen Weltalls,
Wisser und Wissenswürdges, höchste Stätte,
Du hast das All gespannt, Endlosgestaltger.
Wind, Feuer, Yama, Varuna, der Mond auch,39
Prajâpati bist du, und erster Ahnherr;
Verehrung dir, Verehrung tausend Male,
Und mehr noch, mehr, Verehrung dir, Verehrung!
Verehrung dir im Angesicht, im Rücken,40
Von allen Seiten Ehre dir, du Alles!
Unendlich mannhaft, unermeßlich kraftvoll,
Vollendest du das All und bist selbst Alles.
Wenn ungestüm, für meinen Freund dich haltend,41
Ich „Krishna“, „Yâdava“[147] und „Freund“ dich nannte,
Unkundig deiner wunderbaren Größe,
Zu unbedachtsam oder zu vertraulich;
Und wenn im Scherz ich dich nicht richtig ehrte,42
Im Wandeln, Ruhen, Sitzen oder Essen,
Ob du allein warst, ob vor allen diesen, –
Ich bitt' dich um Vergebung, Unermeßner!
Vater der Welt, die sich bewegt und fest ist,43
Verehrungswürdig, mehr uns als ein Lehrer, –
Dir gleich ist niemand, – wer dir überlegen?
In dieser Dreiwelt, unvergleichlich mächt'ger!
Mich beugend drum, den Körper niederwerfend,44
Such' deine Gnade ich, du Herr der Ehren!
Wie seines Sohns ein Vater, Freund des Freundes,
Geliebter der Geliebten – mußt du schonen.
Noch nie Geschautes freu' ich mich zu schauen,45
Allein vor Furcht bebt mir das Herz und zittert,
Zeig' die Gestalt, o Gott mir, die ich kenne,
Sei gnädig, Götterherr, Wohnstatt der Welten!
Mit Diadem und Keule, mit dem Diskus46
In deiner Hand, so wünsch' ich dich zu sehen;
Nimm wieder an die Form mit den vier Armen,
Du tausendarmiger, du allgestalt'ger!
DER ERHABENE SPRACH
Aus Gnaden hab' ich dir nun offenbaret47
Mein höchstes Wesen hier, kraft meiner Allmacht, –
Strahlend, unendlich, ganz und uranfänglich, –
Kein Andrer hat vor dir sie je gesehen.
Nicht durch den Veda, Opfer, Studium, Spenden,48
Zeremonien oder graus'ge Büßung
Kann mich in solcher Form ein Andrer schauen
Im Menschenvolk, du großer Held der Kurus!
Nicht soll dich Angst befangen und Verwirrung49
Beim Anblick meiner schrecklichen Gestaltung,
Von Furcht befreit, fröhlichen Sinnes wieder
Sollst du mich schaun, so wie ich dir bekannt bin.
SANJAYA SPRACH
Als Krishna so zum Arjuna gesprochen,50
Da zeigt' er sich in alter Art ihm wieder,
Und so beruhigte er den Erschreckten,
In freundlicher Gestalt, der hochgesinnte.
ARJUNA SPRACH
Da wieder deine menschliche Gestalt ich schau', die freundliche,51
Kehrt die Besinnung mir zurück und wieder werd' ich, der ich war.