„Wie schön ist dein Gang in den Schuhen“ — so heißt es im Hohen Liede; gemeint aber ist: wie schön sind Israels Füße, wenn sie zum Feste wallfahren.
„Und niemand soll nach deinem Lande trachten, wenn du hinaufsteigst“ — dies lehrt uns, daß des Wallfahrenden Kuh ruhig auf ihrer Wiese grasen konnte; kein wildes Tier tat ihr etwas zuleide. Das Huhn konnte auf dem Miste scharren, kein Wiesel tat ihm wehe.
Einst geschah es, daß einer vergaß, die Türe seines Hauses abzusperren, als er zum Feste nach Jerusalem pilgerte. Als er heimkehrte, da fand er eine Schlange, die sich um den Ring der Tür gewunden hatte.
Auch vergaß einer die Hühner in sein Haus einzulassen. Als er kam, da lagen die Katzen zerrissen vor den Hühnern. Auch vergaß einmal ein Wallfahrer einen Getreidehaufen in den Speicher zu schaffen. Da er von der Wallfahrt heimkehrte, da hatten sich Löwen schützend um den Haufen gelagert.
Zwei reiche Brüder wohnten einst in Askalon. Die hatten böse Nachbarn — von den Völkern der Welt waren die. Immer dachten sie nur: Wann werden diese Juden schon nach Jerusalem ziehen, dort zu beten, daß wir in ihr Haus einbrechen und dort alles plündern, was da ist. Es kam die Zeit des Festes und die zwei Brüder zogen nach Jerusalem. Da bestellte Gott an ihrer Statt zwei Engel, die nahmen ihre Gestalt an und gingen in ihrem Hause ein und aus. Als die Brüder aus Jerusalem heimkamen, sandten sie all ihren Nachbarn Geschenke von allen guten Dingen, die in Jerusalem zu kaufen gewesen waren. Da fragten die Nachbarn: Wo wart ihr denn? Antworteten sie: in Jerusalem. — Wann habt ihr euch auf den Weg gemacht? — Damals und damals. — Und gekommen? — Dann und dann. — Und wen habt ihr zurückgelassen? — Keinen Menschen. — Da sprachen die Heiden: Gepriesen sei der Gott der Juden, der sie nicht verlassen hat und sie nicht verlassen wird in alle Ewigkeit...
Rabbi Jizchak sagte: Warum gibt es in Jerusalem nicht die süßen Früchte von Ginossar? Damit die Wallfahrer sich nicht sagen: Schon um der Ginossarfrüchte willen lohnt es sich, nach Jerusalem zu pilgern. Darum — sagte Rabbi Dostai — gibt es in Jerusalem auch nicht warme Quellen wie in Tiberias. Auf daß wir nach Jerusalem nicht wallfahren um anderer Dinge willen: nur wegen des Festes und wegen der Freude des Festes.
PESSACH IM KAUKASUS.
Von Z’wi Kasdai.