Da sprach die schöne Kriemhild, zornig war ihr Muth: 865
"Hättest du noch geschwiegen, das wär dir wohl gut.
Du hast geschändet selber deinen schönen Leib:
Mocht eines Mannes Kebse je werden Königesweib?"
"Wen willst du hier verkebsen?" sprach des Königs Weib. 866
"Das thu ich dich," sprach Kriemhild: "deinen schönen Leib
Hat Siegfried erst geminnet, mein geliebter Mann:
Wohl war es nicht mein Bruder, der dein Magdthum gewann.
"Wo blieben deine Sinne? Es war doch arge List: 867
Was ließest du ihn minnen, wenn er dein Dienstmann ist?
Ich höre dich," sprach Kriemhild, "ohn alle Ursach klagen."
"In Wahrheit," sprach da Brunhild, "das will ich doch Gunthern sagen."
"Wie mag mich das gefährden? Dein Uebermuth hat dich betrogen: 868
Du hast mich mit Reden in deine Dienste gezogen,
Daß wiße du in Treuen, es ist mir immer leid:
Zu trauter Freundschaft bin ich dir nimmer wieder bereit."
Brunhild begann zu weinen; Kriemhild es nicht verhieng, 869
Vor des Königs Weibe sie in das Münster gieng
Mit ihrem Ingesinde. Da hub sich großer Haß;
Es wurden lichte Augen sehr getrübt davon und naß.
Wie man da Gott auch diente oder Jemand sang, 870
Brunhilden währte die Weile viel zu lang.
War allzutrübe der Sinn und auch der Muth:
Des muste bald entgelten mancher Degen kühn und gut.
Brunhild mit ihren Frauen gieng vor das Münster stehn. 871
Sie gedachte: "Ich muß von Kriemhild mehr zu hören sehn,
Wes mich so laut hier zeihte das wortscharfe Weib:
Und wenn er sichs gerühmt hat, gehts ihm an Leben und Leib!"
Nun kam die edle Kriemhild mit manchem kühnen Mann. 872
Da begann Frau Brunhild: "Haltet hier noch an.
Ihr wolltet mich verkebsen: laßt uns Beweise sehn,
Mir ist von euern Reden, das wißet, übel geschehn."
Da sprach die schöne Kriemhild: "Was laßt ihr mich nicht gehn? 873
Ich bezeug es mit dem Golde, an meiner Hand zu sehn.
Das brachte mir Siegfried, nachdem er bei euch lag."
Nie erlebte Brunhild wohl einen leidigen Tag.
Sie sprach: "Dieß Gold das edle, das ward mir gestohlen 874
Und blieb mir lange Jahre übel verhohlen:
Ich komme nun dahinter, wer mir es hat genommen."
Die Frauen waren beide in großen Unmuth gekommen.