Da entgalt er seiner höfschen Zucht; den Bogen und das Schwert 1009
Trug beiseite Hagen von dem Degen werth.
Dann sprang er zurücke, wo er den Wurfspieß fand,
Und sah nach einem Zeichen an des Kühnen Gewand.

Als der edle Siegfried aus dem Brunnen trank, 1010
Er schoß ihn durch das Kreuze, daß aus der Wunde sprang
Das Blut von seinem Herzen an Hagens Gewand.
Kein Held begeht wohl wieder solche Unthat nach der Hand.

Den Gerschaft im Herzen ließ er ihm stecken tief. 1011
Wie im Fliehen Hagen da so grimmig lief,
So lief er wohl auf Erden nie vor einem Mann!
Als da Siegfried Kunde der schweren Wunde gewann,

Der Degen mit Toben von dem Brunnen sprang; 1012
Ihm ragte von der Achsel eine Gerstange lang.
Nun wähnt' er da zu finden Bogen oder Schwert,
Gewiß, so hätt er Hagnen den verdienten Lohn gewährt.

Als der Todwunde da sein Schwert nicht fand, 1013
Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand.
Den rafft' er von dem Brunnen und rannte Hagen an:
Da konnt ihm nicht entrinnen König Gunthers Unterthan.

Wie wund er war zum Tode, so kräftig doch er schlug, 1014
Daß von dem Schilde nieder wirbelte genug
Des edeln Gesteines; der Schild zerbrach auch fast:
So gern gerochen hätte sich der herrliche Gast.

Da muste Hagen fallen von seiner Hand zu Thal; 1015
Der Anger von den Schlägen erscholl im Wiederhall.
Hätt er sein Schwert in Händen, so wär er Hagens Tod.
Sehr zürnte der Wunde, es zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen; er konnte nicht mehr stehn. 1016
Seines Leibes Stärke muste ganz zergehn,
Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug.
Er ward hernach betrauert von schönen Frauen genug.

Da fiel in die Blumen der Kriemhilde Mann. 1017
Das Blut von seiner Wunde stromweis nieder rann.
Da begann er die zu schelten, ihn zwang die große Noth
Die da gerathen hatten mit Untreue seinen Tod.

Da sprach der Todwunde: "Weh, ihr bösen Zagen, 1018
Was helfen meine Dienste, da ihr mich habt erschlagen?
Ich war euch stäts gewogen und sterbe nun daran.
Ihr habt an euern Freunden leider übel gethan.