Als zu den Herbergen sie kamen allzumal, 1287
Nach Geiselhern zu senden die edle Frau befahl
Und nach ihrer Mutter: den Beiden sagte sie,
Ihr gezieme nur zu weinen und alles Andere nie.
Da sprach ihr Bruder Geiselher: "Mir ahnt, Schwester mein, 1288
Und gerne mag ichs glauben, dein Leid und deine Pein
Wird König Etzel wenden; und nimmst du ihn zum Mann,
Was Jemand anders rathe, so dünkt es mich wohlgethan."
"Er mag dirs wohl ersetzen," sprach wieder Geiselher. 1289
"Vom Rotten bis zum Rheine, von der Elbe bis ans Meer
Weiß man keinen König gewaltiger als ihn.
Du magst dich höchlich freuen, heischt er dich zur Königin."
Sie sprach: "Lieber Bruder, wie räthst du mir dazu? 1290
Weinen und Klagen das käm mir eher zu.
Wie sollt ich vor den Recken da zu Hofe gehn?
Hatt ich jemals Schönheit, um die ists lange geschehn."
Da redete Frau Ute der lieben Tochter zu: 1291
"Was deine Brüder rathen, liebes Kind, das thu.
Folge deinen Freunden, so mag dirs wohlergehn.
Hab ich dich doch so lange in großem Jammer gesehn."
Da bat sie, daß vom Himmel ihr würde Rath gesandt: 1292
Denn hätte sie zu geben Gold, Silber und Gewand
Wie einst, da er noch lebte, ihr Mann der Degen hehr,
Sie erlebe doch nicht wieder so frohe Stunden nachher.
Sie dacht in ihrem Sinne: "Und sollt ich meinen Leib 1293
Einem Heiden geben? Ich bin ein Christenweib;
Des müst ich billig Schelte von aller Welt empfahn;
Gäb er mir alle Reiche, es bliebe doch ungethan."
Da ließ sie es bewenden. Die Nacht bis an den Tag 1294
Die Frau in ihrem Bette voll Gedanken lag.
Ihre lichten Augen trockneten ihr nicht,
Bis sie hin zur Mette wieder gieng beim Morgenlicht.
Nun waren auch die Könige zur Messezeit gekommen. 1295
Sie hatten ihre Schwester an die Hand genommen
Und riethen ihr zu minnen den von Heunenland.
Niemand doch die Fraue ein wenig fröhlicher fand.
Da ließ man zu ihr bringen, die Etzel hingesandt, 1296
Die nun mit Urlaub wollten räumen Gunthers Land,
Wie es gerathen möge, mit Nein oder Ja!
Da kam zu Hofe Rüdiger: die Gefährten mahnten ihn da,