"Er ist nicht gar ein Heide, des dürft ihr sicher sein: 1307
Er ist getauft gewesen, der liebe Herre mein,
Wenn er auch zu den Heiden wieder übertrat:
Wollt ihr ihn, Herrin, minnen, so wird darüber noch Rath.
"Ihm dienen so viel Recken in der Christenheit, 1308
Daß euch bei dem König nie widerfährt ein Leid.
Ihr mögt auch leicht erlangen, daß der König gut
Zu Gott wieder wendet so die Seele wie den Muth."
Da sprachen ihre Brüder: "Verheißt es, Schwester mein, 1309
Und all euern Kummer laßt in Zukunft sein."
Des baten sie so lange, bis sie mit Trauer drein
Vor den Helden willigte, den König Etzel zu frein.
Sie sprach: "Ich muß euch folgen, ich arme Königin! 1310
Ich fahre zu den Heunen, wann es geschehe, hin,
Wenn ich Freunde finde, die mich führen in sein Land."
Darauf bot vor den Helden die schöne Kriemhild die Hand.
Der Markgraf sprach: "Zwei Recken stehn in eurem Lehn, 1311
Dazu hab ich noch manchen: so kann es wohl geschehn,
Daß wir euch mit Ehren bringen überrhein,
Ich laß euch nun nicht länger hier bei den Burgunden sein.
"Fünfhundert Mannen hab ich und der Freunde mein: 1312
Die sollen euch zu Diensten hier und bei Etzeln sein,
Was ihr auch gebietet; ich selber steh euch bei
Und will michs nimmer schämen, mahnt ihr mich künftig meiner Treu.
"Eure Pferdedecken haltet euch bereit; 1313
Was Rüdiger gerathen hat, wird euch nimmer leid.
Und sagt es euern Mägdlein, die ihr euch gesellt,
Uns begegnet unterwegs mancher auserwählte Held."
Sie hatten noch Geschmeide, das sie zu Siegfrieds Zeit 1314
Beim Reiten getragen, daß sie mit mancher Maid
Mit Ehren reisen mochte, so sie wollt hindann.
Hei! was man guter Sättel den schönen Frauen gewann!
Hatten sie schon immer getragen reich Gewand, 1315
So wurde des zur Reise die Fülle nun zur Hand,
Weil ihnen von dem König so viel gepriesen ward;
Sie schloßen auf die Kisten, so lang versperrt und gespart.
Sie waren sehr geschäftig wohl fünftehalben Tag 1316
Und suchten aus dem Einschlag, so viel darinne lag.
Ihre Kammer zu erschließen hub da Kriemhild an,
Sie Alle reich zu machen, Die Rüdigern unterthan.