Die Knappen kamen beide, wo sie den König sahn 1458
Sitzen bei der Königin. Da sagt' er ihnen an,
Sie sollten Boten werden nach Burgundenland.
Auch ließ er ihnen schaffen reiches herrliches Gewand.
Vierundzwanzig Recken schnitt man da das Kleid. 1459
Ihnen ward auch von dem König gegeben der Bescheid,
Wie sie Gunthern laden sollten und Die ihm unterthan.
Frau Kriemhild mit ihnen geheim zu sprechen begann.
Da sprach der reiche König: "Nun hört, wie ihr thut: 1460
Ich entbiete meinen Freunden alles, was lieb und gut,
Daß sie geruhn zu reiten hieher in mein Land.
Ich habe noch gar selten so liebe Gäste gekannt.
"Und wenn sie meinen Willen gesonnen sind zu thun, 1461
Kriemhilds Verwandte, so mögen sie nicht ruhn
Und mir zu Liebe kommen zu meinem Hofgelag,
Da meiner Schwäger Freundschaft mich so sehr erfreuen mag."
Da sprach der Fiedelspieler, der stolze Schwemmelein: 1462
"Wann soll euer Gastgeber in diesen Landen sein?
Daß wirs euern Freunden am Rhein mögen sagen."
Da sprach der König Etzel: "In der nächsten Sonnenwende Tagen."
"Wir thun, was ihr gebietet," sprach da Werbelein. 1463
Kriemhild ließ die Boten zu ihrem Kämmerlein
Führen in der Stille und besprach mit ihnen da,
Wodurch noch manchem Degen bald wenig Liebes geschah.
Sie sprach zu den Boten: "Ihr verdient groß Gut, 1464
Wenn ihr besonnen meinen Willen thut
Und sagt, was ich entbiete heim in unser Land:
Ich mach euch reich an Gute und geb euch herrlich Gewand.
"Wen ihr von meinen Freunden immer möget sehn 1465
Zu Worms an dem Rheine, dem sollt ihrs nie gestehn,
Daß ihr mich immer sähet betrübt in meinem Muth;
Und entbietet meine Grüße diesen Helden kühn und gut.
"Bittet sie zu leisten, was mein Gemahl entbot, 1466
Und mich dadurch zu scheiden von all meiner Noth.
Ich scheine hier den Heunen freundlos zu sein.
Wenn ich ein Ritter hieße ich käme manchmal an den Rhein.
"Und sagt auch Gernoten, dem edeln Bruder mein, 1467
Daß ihm auf Erden Niemand holder möge sein:
Bittet, daß er mir bringe hierher in dieses Land
Unsre besten Freunde: so wird uns Ehre bekannt.