Da ward der Vogt vom Rheine darüber ungemuth, 1545
Daß sie verschmähen wollten so reichen Königs Gut.
Da musten sie empfahen sein Gold und sein Gewand,
Daß sie es mit sich führten heim in König Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen vor ihrer Wiederkehr. 1546
Die Spielleute brachte der junge Geiselher
Zu Hof vor seine Mutter; sie entbot der Königin,
Wenn man ihr Ehre biete, so bedünk es sie Gewinn.

Da ließ die Königswitwe ihre Borten und ihr Gold 1547
Vertheilen um Kriemhildens, denn der war sie hold,
Und König Etzels Willen an das Botenpaar.
Sie mochtens wohl empfahen: getreulich bot sie es dar.

Urlaub genommen hatten nun von Weib und Mann 1548
Die Boten Kriemhildens; sie fuhren froh hindann
Bis zum Schwabenlande: dahin ließ Gernot
Seine Helden sie begleiten, daß sie nirgend litten Noth.

Als die von ihnen schieden, die sie sollten pflegen, 1549
Gab ihnen Etzels Herschaft Frieden auf den Wegen,
Daß ihnen Niemand raubte ihr Ross noch ihr Gewand.
Sie ritten sehr in Eile wieder in der Heunen Land.

Wo sie Freunde wusten, da machten sie es kund, 1550
In wenig Tagen kämen die Helden von Burgund
Vom Rhein hergezogen in der Heunen Land.
Pilgerin, dem Bischof, ward auch die Märe bekannt.

Als sie vor Bechlaren die Straße niederzogen, 1551
Da ward um die Märe Rüdger nicht betrogen,
Noch Frau Gotelinde, die Markgräfin hehr.
Daß sie sie schauen sollten, des freuten beide sich sehr.

Die Spielleute spornten die Rosse mächtig an. 1552
Sie sanden König Etzeln in seiner Stadt zu Gran,
Gruß über Grüße, die man ihm her entbot,
Brachten sie dem Könige: vor Liebe ward er freudenroth.

Als Kriemhild der Königin die Märe ward bekannt, 1553
Ihre Brüder wollten kommen in ihr Land,
Da ward ihr wohl zu Muthe: sie gab den Boten Lohn
Mit reichlichen Geschenken; sie hatte Ehre davon.

Sie sprach: "Nun sagt mir beide, Werbel und Schwemmelein, 1554
Wer will von meinen Freunden beim Hofgelage sein,
Von den höchsten, die wir luden hieher in dieses Land?
Sagt an, was sprach wohl Hagen, als ihm die Mähre ward bekannt?"