Der Vogt vom Rheine kleidete aus seinem Heergeleit 1562
Der Degen tausend sechzig, so gab man uns Bescheid,
Und neuntausend Knechte zu dem Hofgelag;
Die sie zu Hause ließen, beweinten es wohl hernach.

Da trug man ihr Geräthe zu Worms übern Hof. 1563
Wohl sprach da von Speier ein alter Bischof
Zu der schönen Ute: "Unsre Freunde wollen fahren
Zu dem Gastgebote: möge Gott sie da bewahren."

Da sprach zu ihren Söhnen Ute, die Fraue gut: 1564
"Ihr solltet hier verbleiben, Helden hochgemuth.
Geträumt hat mir heute von ängstlicher Noth,
Wie all das Gevögel in diesem Lande wäre todt."

"Wer sich an Träume wendet," sprach dawider Hagen, 1565
"Der weiß noch die rechte Kunde nicht zu sagen,
Wie es mög am Besten um seine Ehre stehn:
Es mag mein Herr nur immer mit Urlaub hin zu Hofe gehn.

"Wir wollen gerne reiten in König Etzels Land: 1566
Da mag wohl Köngen dienen guter Helden Hand,
So wir da schauen sollen Kriemhildens Hochzeit."
Hagen rieth die Reise; doch ward es später ihm leid.

Er hätt es widerrathen, nur daß Gernot 1567
Mit ungefügen Reden ihm Spott entgegenbot.
Er mahnt' ihn an Siegfried, Frau Kriemhildens Mann:
Er sprach: "Darum steht Hagen die große Reise nicht an."

Da sprach von Tronje Hagen: "Nicht Furcht ist's, daß ich's thu. 1568
Gebietet ihr es, Helden, so greift immer zu:
Gern will ich mit euch reiten in König Etzels Land."
Bald ward von ihm zerhauen mancher Helm und Schildesrand.

Die Schiffe standen fertig zu fahren überrhein; 1569
Was sie an Kleidern hatten, trugen sie darein.
Sie fanden viel zu schaffen bis zur Abendzeit;
Sie huben sich von Hause zur Reise freudig bereit.

Sie schlugen auf im Grase sich Hütten und Gezelt 1570
Jenseits des Rheines, wo das Lager war bestellt.
Da bat noch zu verweilen Gunthern sein schönes Weib;
Sie herzte nachts noch einmal des Mannes waidlichen Leib.

Flöten und Posaunen erschollen morgens fruh 1571
Den Aufbruch anzukündigen: da griff man bald dazu.
Wem Liebes lag im Arme, herzte des Freundes Leib;
Mit Leid trennte Viele des König Etzel Weib.