Wie sehr sie sich wehrten, sie musten da bestehn 1756
Bis an den vierten Morgen. Da sah man geschehn
Durch des Wirthes Milde, was weithin ward bekannt:
Er gab seinen Gästen beides, Ross' und Gewand.

Nicht länger mocht es währen, sie musten an ihr Ziel. 1757
Seines Gutes konnte Rüdiger nicht viel
Vor seiner Milde sparen: wonach man trug Begehr,
Das versagt' er Niemand: er gab es gern den Helden hehr.

Ihr edel Ingesinde brachte vor das Thor 1758
Gesattelt viel der Rosse; zu ihnen kam davor
Mancher fremde Recke, den Schild an der Hand,
Da sie reiten wollten mit ihnen in Etzels Land.

Der Wirth bot seine Gaben den Degen allzumal, 1759
Eh die edeln Gäste kamen vor den Saal.
Er konnte wohl mit Ehren in hoher Milde leben.
Seine schöne Tochter hatt er Geiselhern gegeben;

Da gab er Gernoten eine Waffe gut genug, 1760
Die hernach in Stürmen der Degen herrlich trug.
Ihm gönnte wohl die Gabe des Markgrafen Weib;
Doch verlor der gute Rüdiger davon noch Leben und Leib.

Er gab König Gunthern, dem Helden ohne Gleich, 1761
Was wohl mit Ehren führte der edle König reich,
Wie selten er auch Gab empfieng, ein gutes Streitgewand,
Da neigte sich der König vor des milden Rüdger Hand.

Gotelind bot Hagnen, sie durfte es ohne Scham, 1762
Ihre freundliche Gabe: da sie der König nahm,
So sollt auch er nicht fahren zu dem Hofgelag
Ohn ihre Steuer: der edle Held aber sprach:

"Alles, was ich je gesehn," entgegnete Hagen, 1763
"So begehr ich nichts weiter von hinnen zu tragen
Als den Schild, der dorten hängt an der Wand:
Den möcht ich gerne führen mit mir in der Heunen Land."

Als die Rede Hagens die Markgräfin vernahm, 1764
Ihres Leids ermahnt' er sie, daß ihr das Weinen kam.
Mit Schmerzen gedachte sie an Nudungs Tod,
Den Wittich hatt erschlagen; das schuf ihr Jammer und Noth.

Sie sprach zu dem Degen: "Den Schild will ich euch geben. 1765
Wollte Gott vom Himmel, daß der noch dürfte leben,
Der einst ihn hat getragen! er fand im Kampf den Tod.
Ich muß ihn stäts beweinen: das schafft mir armem Weibe Noth!"