Achtundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild Hagen entpfieng.

Als die Burgunden kamen auf das Feld, 1785
Auf schlug man drei Königen gar herrlich Gezelt.
Sie stießen ein die Fahnen von eitel Golde roth.
Da wusten nicht die Herren, wie ihnen nah war der Tod.

Da stieg zu den Zinnen Frau Kriemhild hinan 1786
Und sah auf dem Felde reiten manchen Mann.
Des freute sich heimlich das wunderschöne Weib:
"Nun endlich wird gerochen des kühnen Siegfriedes Leib,

"Der mir so mörderlich zu Tode ward geschlagen; 1787
Ich kann bis an mein Ende ihn nie genug beklagen.
O weh der großen Ehren, die ich muß verloren schaun:
So tapfrer Mann lag nimmer noch im Arm einer Fraun.

"Seine große Tugend schafft mir Herzeleid: 1788
Wenn ich daran gedenke, wie er zu jener Zeit
Hin ritt mit so gesundem Leib, so mehrt sich meine Klage:
Mir darf Niemand rügen das große Leid, das ich trage.

"Gott hatt ihn mir zu Manne aus aller Welt erkoren. 1789
Wär Einem Mann die Tugend Tausender angeboren,
Viel größere doch Siegfried ganz alleine trug."
Sehr klagt' um ihn die Königin, zu dem Herzen sie sich schlug.

Alsbald ward dem Berner die Märe kund gethan. 1790
Da kam er geschwinde über den Hof heran;
Er hatte Hilbranden der Sitte nach bei sich.
"Viel edle Königstochter, das ließet ihr billiglich,

"Daß man euch weinen sähe bei dieser Lustbarkeit. 1791
Ihr habt hieher beschieden aus fremden Landen weit
Viel der werthen Recken und manchen Biedermann:
Daß man euch nun weinen sieht, das steht euch gar übel an."

"Ich mahne dich der Treue," sprach sie, "Hildebrand, 1792
Hast du je Gab empfangen aus meiner milden Hand,
So räche mich an Hagen: ich gebe dir mein Gold
Und bin mit guten Treuen bis an mein Ende dir hold."