Volker und Hagen die beiden stellten da 1954
Sich vor das weite Münster: was darum geschah,
Sie wolltens dazu bringen, daß sich die Königin
Mit ihnen drängen müße; wohl war gar grimmig ihr Sinn.
Da kam der Wirth des Landes und auch sein schönes Weib; 1955
Mit reichem Gewände war ihr geziert der Leib
Und manchem schnellen Degen, der im Geleit ihr war.
Da flog der Staub zur Höhe vor der Königin Schar,
Als der reiche König so gewaffnet sah 1956
Die Fürsten und ihr Ingesind, wie bald sprach er da:
"Was seh ich meine Freunde unter Helmen gehn?
Leid war mir meiner Treue, wär ihnen Leid hier geschehn.
"Das wollt ich ihnen büßen, wie sie es däuchte gut. 1957
Wenn ihnen wer beschwerte das Herz und den Muth,
So laß ich sie wohl schauen, es sei mir wahrlich leid:
Was sie gebieten mögen, dazu bin ich gern bereit."
Zur Antwort gab ihm Hagen: "Uns ist kein Leid geschehn. 1958
Es ist der Herren Sitte, daß sie gewaffnet gehn
Bei allen Gastgeboten zu dreien vollen Tagen.
Was uns hier geschähe, wir würden es Etzeln klagen."
Wohl vernahm die Königin Hagens Rede da. 1959
Wie feindlich sie dem Degen unter die Augen sah!
Sie wollte doch nicht melden den Brauch in ihrem Land,
Wie lang bei den Burgunden sie den auch hatte gekannt.
Wie grimm und stark die Königin ihnen abhold wäre, 1960
Hätte Jemand Etzeln gesagt die rechte Märe,
Er hätt es wohl gewendet, was nun doch geschah:
In ihrem hohen Uebermuth verschwiegen sie es Alle da.
Da schritt mit vielem Volke Kriemhild zur Kirchenthür: 1961
Doch wollten diese Beiden weichen nicht vor ihr
Zweier Hände Breite: das war den Heunen leid.
Da muste sie sich drängen mit den Helden allbereit.
Etzels Kämmerlinge die dauchte das nicht gut: 1962
Wohl hätten sie den Recken gern erzürnt den Muth,
Wenn sie es wagen dürften vor dem König hehr.
Da gab es groß Gedränge und doch nichts anderes mehr.
Als nach dem Gottesdienste man auf den Heimweg sann, 1963
Da kam hoch zu Rosse mancher Heunenmann.
Auch war bei Kriemhilden manche schöne Maid;
Wohl Siebentausend zählte der Königin Heergeleit.