Er sah vor Etzels Tische einen Spielmann: 2068
Hagen in seinem Zorne lief zu ihm heran.
Er schlug ihm auf der Geigen herab die rechte Hand.
"Das habe für die Botschaft in der Burgunden Land."
"Ach meine Hand," sprach Werbel, Etzels Spielmann: 2069
"Herr Hagen von Tronje, was hatt ich euch gethan?
Ich kam in großer Treue in eurer Herren Land:
Wie kläng ich nun die Töne, da ich verlor meine Hand?"
Hagen fragte wenig, und geigt' er nimmermehr. 2070
Da kühlt' er in dem Hause die grimme Mordlust sehr
An König Etzels Recken, deren er viel erschlug:
Er bracht in dem Saale zu Tod der Recken genug.
Volker sein Geselle von dem Tische sprang, 2071
Daß laut der Fiedelbogen ihm an der Hand erklang.
Ungefüge siedelte Gunthers Fiedelmann:
Hei! was er sich zu Feinden der kühnen Heunen gewann!
Auch sprangen von den Tischen die drei Könge hehr. 2072
Sie wolltens gerne schlichten, eh Schadens würde mehr.
Doch strebten ihre Kräfte umsonst dawider an,
Da Volker mit Hagen so sehr zu wüten begann.
Nun sah der Vogt vom Rheine, er scheide nicht den Streit: 2073
Da schlug der König selber manche Wunde weit
Durch die lichten Panzer den argen Feinden sein.
Der Held war behende, das zeigte hier der Augenschein.
Da kam auch zu dem Streite der starke Gernot: 2074
Wohl schlug er den Heunen manchen Helden todt
Mit dem scharfen Schwerte, das Rüdeger ihm gab:
Damit bracht er Manche von Etzels Recken ins Grab.
Der jüngste Sohn Frau Utens auch zu dem Streite sprang: 2075
Sein Gewaffen herrlich durch die Helme drang
König Etzels Recken aus der Heunen Land;
Da that viel große Wunder des kühnen Geiselher Hand.
Wie tapfer alle waren, die Könge wie ihr Lehn, 2076
Jedennoch sah man Volkern voran all Andern stehn
Bei den starken Feinden; er war ein Degen gut:
Er förderte mit Wunden Manchen nieder in das Blut.
Auch wehrten sich gewaltig Die in Etzels Lehn. 2077
Die Gäste sah man hauend auf und nieder gehn
Mit den lichten Schwertern durch des Königs Saal.
Allenthalben hörte man von Wehruf größlichen Schall.