Als der grimme Hagen die Wund an sich empfand, 2162
Da schwenkte sich gewaltig das Schwert in seiner Hand.
Es muste vor ihm weichen Hawarts Unterthan:
Hagen ihm die Stiege hinab zu folgen begann.
Uebers Haupt den Schildrand Iring der kühne schwang. 2163
Und war dieselbe Stiege drei solcher Stiegen lang,
Derweil ließ ihn Hagen nicht schlagen einen Schlag.
Hei, was rother Funken da auf seinem Helme lag!
Doch kam zu den Freunden Iring noch gesund. 2164
Da wurde diese Märe Kriemhilden kund,
Was er dem von Tronje hatt im Streit gethan;
Dafür die Königstochter ihm sehr zu danken begann.
"Nun lohne Gott dir, Iring, erlauchter Degen gut, 2165
Du hast mir wohl getröstet das Herz und auch den Muth:
Nun seh ich blutgeröthet Hagens Wehrgewand!"
Kriemhild nahm ihm selber den Schild vor Freud aus der Hand.
"Ihr mögt ihm mäßig danken," begann da Hagen, 2166
"Bis jetzt ist viel Großes nicht davon zu sagen;
Versucht' er es zum andern Mal, er wär ein kühner Mann.
Die Wunde frommt euch wenig, die ich noch von ihm gewann.
"Daß ihr von meiner Wunde mir seht den Harnisch roth, 2167
Das hat mich noch erbittert zu manches Mannes Tod.
Nun bin ich erst im Zorne auf ihn und manchen Mann;
Mir hat der Degen Iring noch kleinen Schaden gethan."
Da stand dem Wind entgegen Iring von Dänenland; 2168
Er kühlte sich im Harnisch, den Helm er niederband.
Da priesen ihn die Leute für streitbar und gut:
Darüber trug der Markgraf nicht wenig hoch seinen Muth.
Da sprach Iring wieder: "Nun, Freunde, sollt ihr gehn 2169
Und neue Waffen holen: ich will noch einmal sehn,
Ob ich bezwingen möge den übermüthgen Mann."
Sein Schild war verhauen, einen beßern er gewann.
Gewaffnet war der Recke bald in noch festre Wehr. 2170
Er griff in seinem Zorne nach einem starken Sper,
Damit wollt er Hagen zum drittenmal bestehn.
Es brächt ihm Ehr und Frommen, ließ' er das sich vergehn.
Da wollte sein nicht harren Hagen der Degen. 2171
Mit Schüßen und mit Hieben lief er ihm entgegen
Die Stiege bis zu Ende; zornig war sein Muth.
Da kam dem Degen Iring seine Stärke nicht zu gut.