Da sprach von Amelungen der Degen Wolfwein: 2373
"Und wenn ich vor mir liegen hier säh, den Vater mein,
Mir würde nimmer leider als um Rüdgers Tod.
O weh, wer soll nun trösten die Markgräfin in ihrer Noth?"
Do sprach im Zornmuthe der kühne Wolfhart: 2374
"Wer leitet nun die Recken auf mancher Heerfahrt,
Wie von dem Markgrafen so oft geschehen ist?
O weh, viel edler Rüdiger, daß du uns so verloren bist!"
Wolfbrand und Helferich und auch Helmnot 2375
Mit allen ihren Freunden beweinten seinen Tod.
Nicht mehr fragen mochte vor Seufzen Hildebrand:
So thut denn, ihr Degen, warum mein Herr uns gesandt.
"Gebt uns den todten Rüdiger aus dem Saal, 2376
An dem all unsre Freude erlitt den Jammerfall.
Laßt uns ihm so vergelten, was er an uns gethan
Hat mit großer Treue und an manchem fremden Mann.
"Wir sind hier auch Vertriebene wie Rüdiger der Degen. 2377
Wie laßt ihr uns warten? Laßt uns ihn aus den Wegen
Tragen und im Tode lohnen noch dem Mann:
Wir hätten es wohl billig bei seinem Leben gethan."
Da sprach der König Gunther: "Nie war ein Dienst so gut, 2378
Als den ein Freund dem Freunde nach dem Tode thut.
Das nenn ich stäte Treue, wenn man das leisten kann:
Ihr lohnt ihm nach Verdienste, er hat euch Liebes gethan."
"Wie lange solln wir flehen?" sprach Wolfart der Held." 2379
"Da unser Trost der beste liegt von euch gefällt,
Und wir ihn nun leider nicht länger mögen haben,
Laßt uns ihn hinnen tragen, daß wir den Recken begraben."
Zur Antwort gab ihm Volker: "Man bringt ihn euch nicht her, 2380
Holt ihn aus dem Hause, wo der Degen hehr
Mit tiefen Herzenswunden gefallen ist ins Blut:
So sind es volle Dienste, die ihr hier Rüdigern thut."
Da sprach der kühne Wolfhart: "Gott weiß, Herr Fiedelmann, 2381
Ihr müßt uns nicht noch reizen; ihr habt uns Leid gethan.
Dürft ichs vor meinem Herren, so kämt ihr drum in Noth;
Doch müßen wir es laßen, weil er den Streit uns verbot."
Da sprach der Fiedelspieler: "Der fürchtet sich zu viel, 2382
Der, was man ihm verbietet, Alles laßen will:
Das kann ich nimmer heißen rechten Heldenmuth."
Die Rede dauchte Hagnen von seinem Heergesellen gut.