Da sprach Meister Hildebrand: "Wer soll mit euch gehn? 2433
Die euch am Leben blieben, die seht ihr vor euch stehn:
Das bin ich ganz alleine; die Andern die sind todt."
Da erschrak er dieser Märe, es schuf ihm wahrhafte Noth,

Daß er auf Erden nimmer noch solches Leid gewann. 2434
Er sprach: "Und sind erstorben all Die mir unterthan,
So hat mein Gott vergeßen, ich, armer Dietrich!
Ich herrscht' ein mächtger König einst hehr und gewaltiglich."

Wieder sprach da Dietrich: "Wie könnt es nur geschehn, 2435
Daß sie all erstarben, die Helden ausersehn,
Vor den Streitmüden, die doch gelitten Noth?
Mein Unglück schufs alleine, sonst verschonte sie der Tod!

"Wenn dann mein Unheil wollte, es sollte sich begeben, 2436
So sprecht, blieb von den Gästen Einer noch am Leben?"
Da sprach Meister Hildebrand: "Das weiß Gott, Niemand mehr
Als Hagen ganz alleine und Gunther der König hehr."

"O weh, lieber Wolfhart, und hab ich dich verloren, 2437
So mag mich bald gereuen, daß ich je ward geboren.
Siegstab und Wolfwein und auch Wolfbrand:
Wer soll mir denn helfen in der Amelungen Land?

"Helferich der kühne, und ist mir der erschlagen, 2438
Gerbart und Wichard, wann hör ich auf zu klagen?
Das ist aller Freuden mir der letzte Tag.
O weh, daß vor Leide Niemand doch ersterben mag!"

* * * * *

Neununddreißigstes Abenteuer.

Wie Gunther, Hagen und Kriemhild erschlagen wurden.

Da suchte sich Herr Dietrich selber sein Gewand; 2439
Ihm half, daß er sich waffnete, der alte Hildebrand.
Da klagte so gewaltig der kraftvolle Mann,
Daß von seiner Stimme das Haus zu schüttern begann.