Sie sprach, sie thät es gerne. Da gieng Herr Dieterich 2480
Mit weinenden Augen von den Helden tugendlich.
Da rächte sich entsetzlich König Etzels Weib:
Den auserwählten Recken nahm sie Leben und Leib.
Sie ließ sie gesondert in Gefängniss legen, 2481
Daß sich nie im Leben wiedersahn die Degen,
Bis sie ihres Bruders Haupt hin vor Hagen trug.
Kriemhildens Rache ward an Beiden grimm genug.
Hin gieng die Königstochter, wo sie Hagen sah; 2482
Wie feindselig sprach sie zu dem Recken da:
"Wollt ihr mir wiedergeben, was ihr mir habt genommen,
So mögt ihr wohl noch lebend heim zu den Burgunden kommen."
Da sprach der grimme Hagen: "Die Red ist gar verloren, 2483
Viel edle Königstochter. Den Eid hab ich geschworen,
Daß ich den Hort nicht zeige: so lange noch am Leben
Blieb Einer meiner Herren, so wird er Niemand gegeben."
"Ich bring es zu Ende," sprach das edle Weib. 2484
Dem Bruder nehmen ließ sie Leben da und Leib.
Man schlug das Haupt ihm nieder: bei den Haaren sie es trug
Vor den Held von Tronje: da gewann er Leids genug.
Als der Unmuthvolle seines Herren Haupt ersah, 2485
Wider Kriemhilden sprach der Recke da:
"Du hasts nach deinem Willen zu Ende nun gebracht;
Es ist auch so ergangen, wie ich mir hatte gedacht.
"Nun ist von Burgunden der edle König todt, 2486
Geiselher der junge dazu Herr Gernot.
Den Hort weiß nun Niemand als Gott und ich allein:
Der soll dir Teufelsweibe immer wohl verhohlen sein."
Sie sprach: "So habt ihr üble Vergeltung mir gewährt; 2487
So will ich doch behalten Siegfriedens Schwert.
Das trug mein holder Friedel, als ich zuletzt ihn sah,
An dem mir Herzensjammer vor allem Leide geschah."
Sie zog es aus der Scheide, er konnt es nicht wehren. 2488
Da dachte sie dem Recken das Leben zu versehren.
Sie schwang es mit den Händen, das Haupt schlug sie ihm ab.
Das sah der König Etzel, dem es großen Kummer gab.
"Weh!" rief der König, "wie ist hier gefällt 2489
Von eines Weibes Händen der allerbeste Held,
Der je im Kampf gefochten und seinen Schildrand trug!
So feind ich ihm gewesen bin, mir ist leid um ihn genug."