Wenn der starke Siegfried die Tarnkappe trug, 349
So gewann er drinnen der Kräfte genug,
Zwölf Männer Stärke, so wird uns gesagt.
Er erwarb mit großen Listen diese herrliche Magd.
Auch war so beschaffen die Nebelkappe gut, 350
Ein Jeder mochte drinnen thun nach seinem Muth,
Was er immer wollte, daß ihn doch Niemand sah.
Damit gewann er Brunhild, durch die ihm bald viel Leid geschah.
"Nun sage mir, Siegfried, eh unsre Fahrt gescheh, 351
Wie wir mit vollen Ehren kommen über See?
Sollen wir Ritter führen in Brunhildens Land?
Dreißigtausend Degen die werden eilends besandt."
"Wie viel wir Volkes führten," sprach Siegfried wider ihn, 352
"So grimmiger Sitte pflegt die Königin,
Das müste doch ersterben vor ihrem Uebermuth.
Ich will euch beßer rathen, Degen ihr kühn und gut.
"In Reckenweise fahren laßt uns zu Thal den Rhein. 353
Die will ich euch nennen, die das sollen sein:
Zu uns zwein noch zweie und Niemand anders mehr,
Daß wir die Frau erwerben, was auch geschehe nachher.
"Der Gesellen bin ich einer, du sollst der andre sein, 354
Und Hagen sei der dritte: wir mögen wohl gedeihn;
Der vierte das sei Dankwart, dieser kühne Mann.
Es dürfen Andrer tausend zum Streite nimmer uns nahn."
"Die Märe wüst ich gerne," der König sprach da so, 355
"Eh wir von hinnen führen, des wär ich herzlich froh,
Was wir für Kleider sollten vor Brunhilden tragen,
Die uns geziemen möchten: Siegfried, das sollst du mir sagen."
"Gewand das allerbeste, das man irgend fand, 356
Trägt man zu allen Zeiten in Brunhildens Land:
Drum laß uns reiche Kleider vor der Frauen tragen,
Daß wirs nicht Schande haben, hört man künftig von uns sagen."
Da sprach der gute Degen: "So will ich selber gehn 357
Zu meiner lieben Mutter, ob es nicht mag geschehn,
Daß ihre schönen Mägde uns schaffen solch Gewand,
Das wir mit Ehren tragen in der hehren Jungfrau Land."
Da Sprach von Tronje Hagen mit herrlichen Sitten: 358
"Was wollt ihr eure Mutter um solche Dienste bitten?
Laßt eure Schwester hören euern Sinn und Muth:
Die ist so kunstreich, unsre Kleider werden gut."