"Dir hat recht erkoren deiner Augen Schein: 406
Es ist die edle Brunhild, das schöne Mägdelein,
Nach der das Herz dir ringet, der Sinn und auch der Muth."
All ihr Gebaren dauchte König Gunthern gut.
Da hieß die Königstochter von den Fenstern gehn 407
Die minniglichen Maide: sie sollten da nicht stehn
Zum Anblick für die Fremden; sie folgten unverwandt.
Was da die Frauen thaten, das ist uns auch wohl bekannt.
Sie zierten sich entgegen den unkunden Herrn, 408
Wie es immer thaten schöne Frauen gern.
Dann an die engen Fenster traten sie heran,
Wo sie die Helden sahen: das ward aus Neugier gethan.
Nur ihrer Viere waren, die kamen in das Land. 409
Siegfried der kühne ein Ross zog auf den Strand.
Das sahen durch die Fenster die schönen Frauen an:
Große Ehre dauchte sich König Gunther gethan.
Er hielt ihm bei dem Zaume das zierliche Ross, 410
Das war gut und stattlich, stark dazu und groß,
Bis der König Gunther fest im Sattel saß.
Also dient' ihm Siegfried, was er hernach doch ganz vergaß.
Dann zog er auch das seine aus dem Schiff heran: 411
Er hatte solche Dienste gar selten sonst gethan,
Daß er am Steigreif Helden gestanden wär.
Das sahen durch die Fenster die schönen Frauen hehr.
Es war in gleicher Weise den Helden allbereit 412
Von schneeblanker Farbe das Ross und auch das Kleid,
Dem einen wie dem andern, und schön der Schilde Rand:
Die warfen hellen Schimmer an der edeln Recken Hand.
Ihre Sättel wohlgesteinet, die Brustriemen schmal: 413
So ritten sie herrlich vor Brunhildens Saal;
Daran hiengen Schellen von lichtem Golde roth.
Sie kamen zu dem Lande, wie ihr Hochsinn gebot,
Mit Speren neu geschliffen, mit wohlgeschaffnem Schwert, 414
Das bis auf die Sporen gieng den Helden werth.
Die Wohlgemuthen führten es scharf genug und breit.
Das alles sah Brunhild, diese herrliche Maid.
Mit ihnen kam auch Dankwart und sein Bruder Hagen: 415
Diese beide trugen, wie wir hören sagen,
Von rabenschwarzer Farbe reichgewirktes Kleid;
Neu waren ihre Schilde, gut, dazu auch lang und breit.