Das Kampfspiel war vergangen über all dem Feld: 617
Da giengen kurzweilen in manches hohe Zelt
Die Ritter zu den Frauen um hoher Lust Gewinn:
Da vertrieben sie die Stunden, bis sie weiter sollten ziehn.
Vor des Abends Nahen, als sank der Sonne Licht 618
Und es begann zu kühlen, ließ man es länger nicht:
Zu der Veste huben Fraun und Ritter sich;
Mit Augen ward geliebkost mancher Schönen minniglich.
Von guten Knechten wurden viel Pferde müd geritten 619
Vor den Hochgemuthen nach des Landes Sitten,
Bis vor dem Saale abstieg der König werth.
Da diente man den Frauen und hob sie nieder vom Pferd.
Da wurden auch geschieden die Königinnen reich. 620
Hin gieng Frau Ute und Kriemhild zugleich
Mit ihrem Ingesinde in ein weites Haus:
Da vernahm man allenthalben der Freude rauschenden Braus.
Man richtete die Stühle: der König wollte gehn 621
Zu Tisch mit den Gästen. Da sah man bei ihm stehn
Brunhild die schöne, die da die Krone trug
In des Königs Lande: sie erschien wohl reich genug.
Da sah man schöne Sitze und gute Tafeln breit 622
Mit Speisen beladen, so hörten wir Bescheid.
Was sie da haben sollten, wie wenig fehlte dran!
Da sah man bei dem König gar manchen herrlichen Mann.
Des Wirthes Kämmerlinge im Becken goldesroth 623
Reichten ihnen Wasser. Das wär vergebne Noth,
Sagte wer, man hätte je fleißgern Dienst gethan
Bei eines Fürsten Hochzeit: ich glaubte schwerlich daran.
Eh der Vogt am Rheine hier das Wasser nahm, 624
Zu Gunthern trat da Siegfried, er durft es ohne Scham,
Und mahnt' ihn seiner Treue, die er ihm gab zu Pfand,
Bevor er Brunhilden daheim gesehn in Isenland.
Er sprach zu ihm: "Gedenket, mir schwur eure Hand, 625
Wenn wir Frau Brunhild brächten in dieß Land,
Ihr gäbt mir eure Schwester: wo blieb nun der Eid?
Ihr wißt, bei eurer Reise war keine Mühe mir leid."
Da sprach der Wirth zum Gaste: "Recht, daß ihr mich mahnt. 626
Ich will den Eid nicht brechen, den ich schwur mit Mund und Hand,
Ich helf es euch fügen, so gut es mag geschehn."
Da hieß man Kriemhilden zu Hof vor den König gehn.