»Ach,« sagte der Hodscha, »wenn du das ganze gesehn hättest, du hättest wohl lachen müssen bis zu deinem letzten Stündlein.«

[213.]

EInes Tages versammelten sich die Mäuse, um Rat zu halten, und sie sagten: »Was werden wir noch alles von der Katze leiden müssen, wenn wir kein Mittel entdecken, um uns vor ihr zu schützen?« Nachdem jede gesprochen hatte, überwog der Rat, ein Glöckchen zu verfertigen und es der Katze um den Hals zu hängen; »wenn wir das Geklingel hören,« dachten sie, »wollen wir Reißaus nehmen.«

»Ich liefere das Stückgut,« sagte die eine. »Ich die Kohle,« sagte die andere. »Ich das Kupfer,« sagte die dritte. Nur eine alte Maus verhielt sich ganz still, bis die andern sagten: »Rede doch auch du; du hast ja in diesem Lande schon so viele Jahre verrinnen sehn.«

Da sagte die alte Maus: »Ihr habt bei euerer Überlegung etwas wesentliches vergessen: ich bin bereit, das Glöckchen ganz zu liefern; aber wer von euch wird es der Katze an den Hals hängen?«

[214.]

EInst wurde ein bejahrter Christ Muselman. Sechs Monate nach seiner Bekehrung führte ihn der Gebetsaufseher vor den Kadi und klagte ihn an, er erfülle nicht die verordneten Gebete; der Kadi, der derselbe war, in dessen Hände der Greis abgeschworen hatte, fragte ihn: »Warum unterziehst du dich nicht den vorgeschriebenen Gebeten?«

»Effendi,« antwortete der Angeklagte, »in deiner Gegenwart war es, daß ich meinem alten Glauben entsagt habe, und du hast damals zu mir gesagt: ›Nun bist du rein aller Sünden; du bist jetzt so, als ob du ein zweites Mal aus dem Mutterleibe gekommen wärest.‹«

Der Kadi antwortete: »Das sind meine Worte.«