Am Morgen stand der Kaufmann auf und ging von neuem seine Trauben im Dorfe ausbieten. Als es Abend wurde, fragte er sich, wie er es anfangen solle, um seine Wirtin zufrieden zu stellen. In diesen Gedanken versunken, bemerkte er auf einmal, daß ein Bienenschwarm seine Regungslosigkeit benutzt hatte, um sich auf dem Korbe mit den Trauben zu versammeln; da schrie er: »Ich habs!« Er nahm eine Biene und drückte sie auf das Werkzeug, das als zu geringfügig befunden worden war: die Biene versenkte ihren Stachel hinein; es zeigte sich eine Entzündung, und das Ding schwoll dermaßen an, daß man schier nicht hätte erraten können, was es war. Das getan, ging er die Frau aufsuchen; sie war gerade allein zu Hause. Und sie fragte ihn: »Hast du es ausgelöst aus den Händen der Wucherer?«
»Jawohl.«
Als es Abend war, ging man zu Tische; dann kam die Zeit, schlafen zu gehn. Alle drei legten sich so nieder wie in der Nacht vorher, und man hatte keine Acht darauf gehabt, das Bett des Fremden nicht neben dem Schlafzimmer zu bereiten.
Kaum war ihr Gatte eingeschlafen, so kam schon die Frau zu dem Kaufmanne, den die Schmerzen kein Auge zutun ließen und der sich in seinem Bette wand wie auf einem Roste. Bei dem Anblicke, der sich ihr bot, glaubte die Frau vor Wonne zu vergehn; dabei kam ihr ein Wind aus. »Wie?« schrie der Fremde; und mit einem in Diarbekr üblichen Ausdrucke: »Deinem Mann in den Bart?«
»O nein,« sagte die Frau, »den armen trifft kein Vorwurf, aber dich desto mehr; hast du dich doch, obwohl du weißt, wie unschätzbar das ist, was du hast, nicht gescheut, es zu verpfänden!«
EInes Tages sagte der Hodscha zu seinen Freunden: »Ein Sommernachmittag ist so viel wert wie drei ganze Tage im Winter.«
Sie fragten ihn: »Wie das?«, und er antwortete: »Ich weiß es aus Erfahrung: als ich meinen Kaftan im Winter gewaschen habe, brauchte er drei Tage, um zu trocknen; dann habe ich ihn an einem Nachmittag im Sommer gewaschen und da war er noch vor Nacht trocken.«
EInmal sagte der Hodscha: »Zwischen der Jugend und dem Alter ist kein Unterschied.«