Heute hat mir jemand eine Geschichte erzählt, die erst gestern passiert sei. Sie lautet:

Ein Mann mit Halalihut, Rucksack und kurzen Hosen, der einem Schwarm lärmender Ausflügler voranging, sagte scherzend zu einem ihm bekannten alten Pfarrer:

»Guten Tag, Herr Pfarrer. Wie schön, daß ich Sie wieder einmal treffe! Ich habe Sie, wenn ich mich recht erinnere, seit Jahren nimmer gesehen.«

»Ist meine Schuld nicht,« lächelte der Pfarrer.

»Aha, ich verstehe. Sie wollen damit sagen, daß ich nie zur Kirche komme,« entgegnete fröhlich der Mann mit dem Halalihut und paffte ein paar kräftige Züge aus seiner Kurzpfeife.

Der Pfarrer nickte leise.

Unterdessen hatte sich der ganze, laute Lustverein um die beiden Plauderer versammelt. Auch einige Radfahrer, die in diesem Augenblick daherjagten, stiegen neugierig von ihren Gäulen ab. Und zu guterletzt machte noch ein vollgepfropfter Kraftwagen mit einem vornehmen Inhalt an der Stelle halt.

»Ihre Kirche ist eben leider zu klein, zu eng und zu beschränkt,« nahm der Mann mit dem Halalihut wieder das Wort.

»Heute vormittag war sie es jedenfalls nicht; denn sie war mehr als zur Hälfte leer,« widersprach der greise Pfarrer.

»Aber sie ist trotz alledem zu klein. Ich kenne eine viel, viel größere, schönere, weitere und herrlichere Kirche als die Ihrige, Herr Pfarrer, eine Kirche, die ohne Zweifel die wunderbarste und größte der Welt ist.« Und der Mann im Halalihut hob seinen Bergstock in die Höhe und beschrieb damit einen Halbkreis in der Luft. »Eine Kirche, Herr Pfarrer, vom größten aller Architekten erbaut, himmelhoch und wundervoll und zur Andacht geschaffen, wie keine andere. Kennen Sie diese Kirche, Herr Pfarrer?«