Siebenunddreißig Duelle hatte der Marquis Bonvivant in seinen jungen Jahren ausgefochten, und er hatte damit bewiesen, daß es ihm nicht an Mut fehlte, in Streitfällen hinter jede Beschimpfung einen Florettstich als Schlußpunkt zu setzen. Als aber das Leben seine Haare mit dem Puder des Alters betupfte, als er in dem Garten seiner Erfahrungen die kostbarste Frucht: das Lächeln geerntet hatte, da änderte sich auch seine Sinnesart über das Duellwesen. »Es mag Ausnahmefälle geben, in denen ein Duell unvermeidlich ist,« sagte er. »Allein das Meer von Zweikämpfen würde zu einer Pfütze austrocknen, wenn meine lieben Zeitgenossen endlich einsehen wollten, daß ein Amtsgericht weit zuverlässiger ist als ein Gottesgericht.«

Kurz nachdem er diesen Ausspruch getan hatte, der ihm sehr übel vermerkt wurde, gebot ihm die Freundespflicht, einem Baron de Sulpice Sekundantendienste zu leisten. Dieser hatte einem Chevalier, der beim Kartenspiel trefflich das Glück zu korrigieren verstand, das Wort »Falschspieler« ins Gesicht geschleudert. Nach dem ersten Gange lag der Falschspieler tot am Boden: eine Kugel hatte ihm das Herz durchbohrt.

Marquis Bonvivant stand bei dem Leichnam; er betrachtete den leblosen Körper aufmerksam, hob ihn auf, musterte die Rückseite, befühlte den Kopf und ließ die Leiche kopfschüttelnd wieder zu Boden gleiten.

»Was soll dieses Spiel?« herrschte ihn der anwesende Arzt an.

»Verzeihen Sie meine Neugierde!« gab der Marquis zurück. »Ich bin nun einmal eine gründliche Natur: ich habe das Loch in der Brust gesehen, aus dem das Leben das Chevaliers entflohen ist, und ich suche nun das andere Loch, durch das angeblich die Ehre wieder in seinen Körper eingezogen ist!«


Der Garibaldiner

Von Karl Federn