614 aus Diarbekr hierher verbannte armenische Männer, Frauen und Kinder sind auf der Floßreise sämtlich abgeschlachtet worden; die Keleks sind gestern hier leer angekommen; seit einigen Tagen treiben Leichen und menschliche Glieder im Fluß vorbei. Weitere Transporte armenischer „Ansiedler“ sind hierher unterwegs, ihnen dürfte dasselbe Los bevorstehen.

Ich habe der hiesigen Regierung meinen tiefsten Abscheu über diese Verbrechen zum Ausdruck gebracht; der Wali sprach sein Bedauern darüber aus mit dem Bemerken, daß allein der Wali von Diarbekr dafür verantwortlich sei.

Holstein.

79.

(Kaiserliches
Konsulat Aleppo.)

Telegramm.

Abgang aus Aleppo, den 12. Juni 1915.
Ankunft in Pera, den 13. Juni 1915.

An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.

Von dem hier weilenden Katholikos von Sis wird die Seelenzahl der bisher verbannten Armenier auf über 30000 angegeben. Zeitun und Umgegend, ferner Alabasch, Albistan, Dörtjol, Hassan-Beyli sind vollständig geräumt. Es sind nicht nur die Familien, die „nicht ganz einwandfrei“ schienen, verbannt worden, sondern die ganze Bevölkerung, sogar die Familien der im Heeresdienst stehenden Soldaten. Könnte nicht wenigstens für diese eine Ausnahme gemacht werden? Der Transport von Frauen und Kindern auf das Land wird fortgesetzt. Selbst in kleinen Provinzorten wie Bab, Membidj, Idlib läßt man sie nicht bleiben, sondern zerstreut sie zu 3–4 Familien auf die muhammedanischen Dörfer, wo sie, von aller Hilfe abgeschnitten, zugrunde gehen müssen.