Der aus Erzerum über Ersindjan hier eingetroffene Unteroffizier Schlimme berichtet: Zwischen Mamachatun und Ersindjan habe er eine etwa 400 Mann starke Bande unter französisch sprechenden Führern[68] getroffen, die anscheinend auf Armenier aus Erzerum wartete. Zwischen Ersindjan und Sipikor sei er armenischen Frauen begegnet, welche aus Hunger Gras aßen. Schließlich habe er aus sicherer Quelle erfahren, daß die aus Ersindjan deportierten Armenier in den Bergen hinter Ersindjan von Soldaten niedergemacht worden sind.
Bergfeld.
106.
Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 7. Juli 1915.
Die Austreibung und Umsiedlung der armenischen Bevölkerung beschränkte sich bis vor etwa 14 Tagen auf die dem östlichen Kriegsschauplatze benachbarten Provinzen und auf einige Bezirke der Provinz Adana. Seitdem hat die Pforte beschlossen, diese Maßregel auch auf die Provinzen Trapezunt, Mamuret ul Aziz und Siwas auszudehnen, und mit der Ausführung begonnen, obwohl diese Landesteile vorläufig von keiner feindlichen Invasion bedroht sind.
Dieser Umstand und die Art, wie die Umsiedelung durchgeführt wird, zeigen, daß die Regierung tatsächlich den Zweck verfolgt, die armenische Rasse im türkischen Reiche zu vernichten.
In dieser Beziehung darf ich meinen früheren Berichten noch folgendes hinzufügen:
Am 26. Juni wurden, wie der Kaiserliche Konsul in Trapezunt meldet, die dortigen Armenier angewiesen, binnen fünf Tagen abzureisen; ihr Hab und Gut sollte unter der Obhut der Behörden zurückbleiben. Nur Kranke waren ausgenommen; hinterher wurde noch eine Ausnahme für Witwen, Waisen, Greise und Kinder unter fünf Jahren, ferner für Kranke und für die katholischen Armenier zugelassen. Nach neuerer Meldung sind aber die meisten Ausnahmen wieder aufgehoben, und es bleiben nur Kinder und Transportunfähige zurück, welch letztere in Hospitäler gebracht werden.