Berlin, den 12. November 1915.
Euere Exzellenz bitte ich, den Bericht eines deutschen Lehrers[101] zum Anlaß nehmen zu wollen, um bei der Pforte erneut gegen die grausame Behandlung der Armenier Verwahrung einzulegen und sie auf die verhängnisvollen Folgen aufmerksam zu machen, die dem türkischen Reiche aus der Fortsetzung einer derartigen Ausrottungspolitik erwachsen müssen.
Jagow.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter
Herrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.
201.
Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 12. November 1915.
Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß die türkische Regierung trotz aller gegenteiligen Versicherungen beschlossen hat, auch die in Konstantinopel ansässigen Armenier in die Verbannung zu schicken. Die Maßregel soll nicht sofort und nicht gegen alle armenischen Bewohner der Hauptstadt auf einmal ergriffen werden, jedenfalls aber noch vor Beendigung des Krieges zur Ausführung gelangen. Ich habe deshalb Halil Bey am 8. d. M. wiederholt dringend auf die unabsehbaren Folgen aufmerksam gemacht, die ein solches Vorgehen in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht nach sich ziehen werde. Euerer Exzellenz Erwägung möchte ich anheimstellen, auch Hakki Pascha vor Ausführung des unheilvollen Planes eindringlich zu warnen.
Neurath.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.