Notiz.

Die Meldung wurde Halil Bey mitgeteilt. Er erklärt die Nachricht für unrichtig. Es seien nur einige an der Bahn angesiedelte Armenier aus militärischen Gründen weiter geschickt worden.

Neurath.

226.

Kaiserlich
Deutsches Konsulat.

Aleppo, den 3. Januar 1916.

Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage die folgenden Nachrichten zur Armenierverschickung:

1. Abschrift eines Berichtes des Diakons Künzler aus Urfa über die dortigen Vorgänge seit Anfang August bis Anfang Dezember. Der Bericht wiederholt zwar zum Teil schon Bekanntes, verdient aber doch eine Wiedergabe. Insbesondere ist daraus zu entnehmen, daß gegen 600 Armenier bereits abgeschlachtet waren, ehe die Kämpfe Anfang Oktober begannen, nämlich 100 in der Stadt, ungefähr 100 eines Arbeiterbataillons im Norden der Stadt, und 400 eines Arbeiterbataillons im Süden der Stadt, abgesehen von den bereits vorher Verschickten und auf dem Wege nach Diarbekr Ermordeten. Neu ist auch, was er über das Geschick der Stadt nach ihrer militärischen Niederzwingung berichtet.

2. Ein deutscher Ingenieur, der während der entscheidenden Ereignisse wochenlang in Ras-ul-Ain und Tell-Abiad für den Bau der Bagdadbahn beschäftigt war und dessen Glaubwürdigkeit die allerbeste ist, gab erschütternde Berichte, die einen Einblick in die bewußte und gewollte Vernichtung der Verschickten durch türkische Regierungsorgane gewährten. Die von den Armeniern immer wieder vorgebrachte Erzählung, daß die Züge der Verbannten absichtlich kreuz und quer geführt worden sind, um sie „zu Tode zu wandern“ fand an einem Beispiel ihre Bestätigung. Ein Trupp Verschickter aus Urfa hat folgenden Weg zurücklegen müssen:

Von Urfa nach Tell-Abiad,